Letztes Update am Di, 07.05.2019 11:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ermittlungen gegen „Colonia Dignidad“-Sektenarzt eingestellt



Düsseldorf (APA/dpa) - Die Ermittlungen gegen Hartmut Hopp, einst Arzt der berüchtigten Sekte „Colonia Dignidad“ in Chile, sind in Deutschland eingestellt worden. Es habe sich trotz erheblichen Aufwands kein hinreichender Tatverdacht ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft der Stadt Krefeld am Dienstag mit.

Konkrete Hinweise auf Hopps Mitwirkung an Straftaten seien nicht festzustellen gewesen, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl. Siebeneinhalb Jahre lang hatte die Behörde gegen den inzwischen 74-jährigen Deutschen ermittelt.

Damals waren mehrere Strafanzeigen eingegangen. Hopp war Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch und Körperverletzung vorgeworfen worden, außerdem eine Beteiligung an der Ermordung chilenischer Regimegegner.

Der Mediziner hatte sich 2011 nach Deutschland abgesetzt, bevor eine in Chile gegen ihn verhängte fünfjährige Haftstrafe rechtskräftig wurde. Eine Opferanwältin hat bereits Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen angekündigt.

Die „Colonia Dignidad“ war 1961 rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile von deutschen Auswanderern aus Siegburg bei Bonn gegründet worden. In den folgenden Jahrzehnten kam es auf dem hermetisch abgeriegelten Areal zu systematischem Kindesmissbrauch.

Während der chilenischen Militärdiktatur (1973-1990) wurden dort zudem Regimegegner gefoltert und ermordet. Die Siedlung wurde später in Villa Baviera umbenannt.




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