Letztes Update am Di, 07.05.2019 12:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Ideale Ergänzung“: Bertoni schenkt Albertina „Das Rhythmische B“



Wien (APA) - Auch ohne runden Geburtstag erhält Wander Bertoni, 93-jähriger Grandseigneur der heimischen Bildhauerei, dieser Tage viel Aufmerksamkeit. Während derzeit in der „Galerie bei der Albertina - Zetter“ und der „galerie artziwna“ in der Doppelausstellung „Wander Bertoni. Skulpturen“ rund 40 Plastiken gezeigt werden, gab es heute in Anwesenheit des Künstlers einen kleinen Festakt in der Albertina.

Anlass war eine Schenkung des Künstlers. Wander Bertoni schenkte dem Museum seine 1954 entstandene polierte Bronzeskulptur „Das Rhythmische B“ aus der Werkgruppe „Das Imaginäre Alphabet“. Im Rahmen der Ausstellungs-Kooperation der Galerien wird ein 2018 angefertigter Guss der 72 Zentimeter hohen Skulptur (Auflage: sieben Stück) um 90.000 Euro angeboten. In der Albertina ist die Schenkung nun in der Ausstellung „Monet bis Picasso“ in unmittelbarer Nachbarschaft von Gemälden von Max Ernst und Juan Miro und Skulpturen von Constantin Brancusi und Alberto Giacometti zu sehen. „Einen idealeren Ort kann man sich nicht denken“, freute sich Direktor Klaus-Albrecht Schröder über die „ideale Ergänzung“, die „auf Augenhöhe“ mit jenen Weltkünstlern sei, wegen denen bis zu eine Million Besucher jährlich die Albertina besuchten.

Schröder nannte „Das Rhythmische B“ ein wunderbares Beispiel für Bertonis Biomorphismus, in seiner sich scheinbar dehnenden und gleichzeitig zähflüssig wirkenden Form ein „Symbol einer sich permanent verändernden Natur“. Er empfahl dringend den Besuch von Bertonis Bildhauermuseum in Winden am See, aber auch seines vom Architekturbüro gaupenraub errichteten Eiermuseums, wo mehr als 5.000 Exponate zu sehen sind. Bertoni teile sein Interesse mit dem Ei „als Ursprung des Lebens“ mit großen Kollegen wie Hans Arp oder Constantin Brancusi. Ebenso legte Schröder den Anwesenden den Besuch der bis 1. Juni laufenden Ausstellung in der galerie artziwna und der Galerie bei der Albertina - Zetter ans Herz: „Versäumen Sie das nicht!“

Wander Bertoni wurde am 11. Oktober 1925 in Codisetto (Provinz Reggio Emilia) geboren. Während der Kriegsjahre kam der ausgebildete Feinmechaniker 1943 als italienischer Zwangsarbeiter nach Wien, wo sich seine künstlerische Begabung zeigte. Bertoni widmete sich der Bildhauerei und absolvierte die Meisterklasse von Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste. Nach Kriegsende wurde er in Wien 1946 zum Gründungsmitglied des „Art Club“. Um sich seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, betätigte Bertoni sich 15 Jahre lang als Restaurator und arbeite unter anderem in der Oper, im Burgtheater und im Belvedere. 1951 war ihm in der Secession zum ersten Mal eine Personalausstellung gewidmet, im selben Jahr bezog er sein erstes Atelier in Wien. Von 1965 bis zu seiner Emeritierung 1994 leitete er die Meisterklasse für Bildhauerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Bertoni beteiligte sich an Ausstellungen im In- und Ausland und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. In der nordburgenländischen Gemeinde Winden am See fand Bertoni eine Bleibe. Dort entstanden auch Ausstellungspavillons sowie ein Skulpturenpark. Dort wohnt er auch mit seiner Frau Waltraud, umgeben von seinem Werk.

(S E R V I C E - www.wanderbertoni.com)




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