Letztes Update am Di, 07.05.2019 12:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst Franziskus würdigt in Nordmazedonien Hilfe für Flüchtlinge



Skopje/Vatikanstadt (APA/dpa) - Papst Franziskus hat in Nordmazedonien die Bemühungen des kleinen Landes um die Nöte von Flüchtlingen gewürdigt. „Die bereitwillige Solidarität, die ihr den Menschen in Not (...) gewährt habt, ehrt euch“, sagte er am Dienstag am Amtssitz des nordmazedonischen Präsidenten Gjorge Ivanov.

Der Pontifex hob die Hilfe hervor, die sowohl staatliche Stellen als auch Zivilorganisationen einer großen Zahl von Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten in den Jahren 2015 und 2016 zukommen ließen. Das Land war damals auf der wichtigsten Fluchtroute in die Mitte Europas gelegen. Anfang 2016 spielte es eine zentrale Rolle bei der sogenannten „Schließung der Balkanroute“, die der damalige Außenminister und jetzige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) organisiert haben will.

Franziskus war aus Bulgarien kommend in der Hauptstadt Skopje eingetroffen. Am Flughafen begrüßten ihn Ivanov und Ministerpräsident Zoran Zaev. Politiker und Medien bezeichneten die apostolische Visite als „historisch“. Es ist das erste Mal, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche dem vor 27 Jahren unabhängig gewordenen Land einen Besuch abstattet.

Der Papst würdigte das Land als „Brücke zwischen Ost und West“. Der kulturelle Reichtum sei ein Spiegelbild des wichtigsten und geschätztesten Erbes, des multiethnischen und des multireligiösen Charakters des mazedonischen Volkes, eine Frucht der reichen Geschichte und der komplexen Beziehungen, die sich in den vergangenen Jahrhundert entwickelt hätten, sagte er in seiner Ansprache vor der mazedonischen Staatsspitze. Es nahm auch der erst am Sonntag zum neuen mazedonischen Präsidenten gewählte Stevo Pendarovski teil.

Ivanov äußerte seine Hoffnung, dass der Papstbesuch zur „geistigen Wiedererneuerung“ des Landes beitragen werde. Ivanov meinte auch, dass die Gesellschaft tief gespalten und das Vertrauen in die internationale Gemeinschaft angeschlagen sei. Der konservative Amtsinhaber spielte damit auf den Namensstreit mit Griechenland an, der im Vorjahr durch eine Änderung des Staatsnamens beigelegt wurde. Die konservative Opposition will sich mit dem neuen Staatsnamen Nordmazedonien nicht abfinden.

Die zehnstündige Visite steht unter dem Motto „Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“ (Lukas 12:32). Es spielt darauf an, dass nur ein Prozent der Bevölkerung des Gastlandes - rund 20.000 Menschen - Katholiken sind. Die slawische Bevölkerung ist überwiegend christlich-orthodox, rund 25 Prozent machen die überwiegend muslimischen Albaner aus.

Im Anschluss an die Zeremonie beim Präsidenten suchte Franziskus die Gedenkstätte für die in Skopje geborene Nonne Mutter Teresa (1910-1997) auf, die er 2016 heiliggesprochen hatte.

Auf dem Makedonija-Platz in der Skopje hielt Franziskus dann eine Messe ab. Dabei forderte er die Gläubigen auf, Gleichgültigkeit und Verleumdungen durch Mitgefühl und Hoffnung zu ersetzen. Vorurteile müssten aufgegeben werden.“Wir sind daran gewöhnt, das harte Brot der Desinformationen zu essen und enden als Geiseln der Diskreditierungen, Etikettierungen und Missachtung“, mahnte der Papst vor 15.000 Gläubigen, auch aus anderen Staaten der Region.

Am Nachmittag stehen noch ein ökumenisches Treffen mit jungen Menschen sowie eine Begegnung mit katholischen Priestern und der Ordensschwestern in der Domkirche „Heiligstes Herz Jesu“ auf dem Programm.




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