Letztes Update am Di, 07.05.2019 13:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Onlinehandel bleibt Herausforderung für heimische Geschäfte



Wien (APA) - Der Onlinehandel ist hierzulande weiter auf Wachstumskurs. So hat der Distanzhandel 2018 um 11,2 Prozent zugelegt, das ist rund acht mal schneller als der stationäre Handel mit 1,4 Prozent. Für den stationären Handel bleibt die Geschäftslage weiter herausfordernd, zeigt eine aktuelle Studie des Handelsverbandes.

Der Marktanteil des Onlinehandels habe sich in Österreich über alle Warengruppen hinweg seit 2015 um rund 40 Prozent erhöht, so Studienautor Andreas Kreutzer. 8,8 Prozent der einzelhandelsrelevanten Ausgaben fallen inzwischen Online an. In absoluten Zahlen: 5,4 Mrd. von 62,1 Mrd. Euro an einzelhandelsrelevanten privaten Ausgaben der Österreicher. E-Commerce wachse nicht nur in peripheren Märkten, sondern auch in jenen mit einer bereits hohen Online-Quote.

Nominal haben sich die privaten Haushaltsausgaben 2018 um 2,8 Prozent auf 187,8 Mrd. Euro erhöht. Preisbereinigt ergab sich allerdings nur ein Plus von 0,8 Prozent. Die Inflation sei in Österreich im europäischen Vergleich nach wie vor hoch, so Kreutzer. Die Mehrausgaben der Haushalte schöpft in erster Linie der Distanzhandel ab, zeigt die Studie „Handel in Zahlen. Jahresbilanz 2018“ von Branchenradar.com Marktanalyse und Handelsverband.

Auch die einzelhandelsrelevanten Ausgaben haben sich vergangenes Jahr inflationsbereinigt um lediglich 0,2 Prozent erhöht. „Von einer ungetrübten Kauflust der Österreicher kann nicht die Rede sein“, so Kreutzer. Die Wirtschaft sei vergangenes Jahr zwar sehr robust gewachsen, dies sei aber nicht am Einkaufsverhalten der Konsumenten gelegen, betonte er. „Für den Einzelhandel bleibt die Geschäftslage zweifelsohne herausfordernd“.

Ein großes Problem sieht Kreutzer vor allem in den Öffnungszeiten. „Dass der Onlinehandel die dem stationären Handel auferlegten Öffnungszeiten völlig legal durchbrechen kann, verschafft ihm einen gewissen Wettbewerbsvorteil.“ Die Öffnungszeiten des stationären Handels seien laut Kreutzer ein Grund für das starke Wachstum im Onlinegeschäft.

Aber auch die Verfügbarkeit der Waren sei ein Treiber für den Onlinehandel. Vor allem bei Büchern, Mode und Elektronik sei die mangelnde ständige Verfügbarkeit der Waren vor Ort ein großes Problem.

E-Commerce verändere aber nicht nur Geschäftsmodelle im stationären Einzelhandel. So werden immer mehr Umsätze im Dienstleistungsbereich über das Internet generiert. Flugreisen hätten beispielsweise bereits heute einen Online-Anteil von 67,5 Prozent, Speisen-Lieferdienste fast 60 Prozent, so Kreutzer.

„Der Markt ist extrem konzentriert“ betonte Norbert Scheele, Vizepräsident des Handelsverbands. Seit 2006 seien ungefähr 10.000 Geschäfte weniger am Markt, das sei jedes fünfte Geschäft, erklärte er. Auch in den nächsten fünf Jahren rechnet Scheele mit einem Rückgang der Verkaufsflächen um rund 7 Prozent.

„Der Onlinehandel ist ein hartes Pflaster geworden“, kommentierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will die Ergebnisse. Er fordert deshalb einen „New Digital Deal“, der den heimischen Onlinehandel fairer gestalten soll. So sollen beispielsweise E-Commerce Monopole gesetzlich verhindert, oder Waren bereits ab dem ersten Cent versteuert und verzollt werden.

~ WEB https://www.handelsverband.at/ ~ APA279 2019-05-07/13:25




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