Letztes Update am Di, 07.05.2019 13:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Juventus-Boss Agnelli als eiskalter Europacup-Reformer



Madrid (APA/dpa) - Zwischen Europas superreichen Top-Clubs und ihren eigenen Profi-Ligen tobt ein Machtkampf um die Zukunft des Europacups. Andrea Agnelli von Juventus Turin fährt einen knallharten Konfrontationskurs, der für massiven Unfrieden in Europas Fußball-Elite sorgt.

Der Italiener treibt an der Spitze der European Club Association (ECA) eine für die Spitzenvereine verführerische Champions-League-Reform voran. Die Ligaverbände um die Deutsche Fußball Liga und die englische Premier League formieren sich zum Protest gegen die Idee einer europäischen Königsklasse im Gewand der US-Profiligen ohne Auf- und Abstiegsmöglichkeit und mit Spielen am für die nationalen Wettbewerbe heiligen Wochenende. Ein solches Modell soll schon im Herbst beschlossen werden, in Kraft treten würde es in fünf Jahren.

Vor dem Treffen der Vertreter der European Leagues (EPL) am Dienstag in Madrid, wo unter anderem LASK-Präsident Siegmund Gruber, Austria-Vorstand Markus Kraetschmer, Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer und Vertreter von Sturm Graz und Altach anwesend waren, eskalierte der Konflikt erstmals durch provokante Agnelli-Aussagen. „Ich kann nur davon ausgehen, dass bei diesem Treffen weitere Vorwürfe und Missverständnisse zur Wahrung des Status quo vorgebracht werden, ohne dass versucht wird, die Strategie und die Vision zu verstehen, die die ECA und die UEFA aus ihren kollektiven Beiträgen gestalten“, schrieb Agnelli in einem Brief an die ECA-Mitglieder.

Indirekt legte er den Club-Vertretern nahe, nicht am Madrid-Meeting teilzunehmen. Und wenn doch: hinterher keine öffentlichen Kommentare abgeben. Diesen Maulkorb konnte die EPL-Führung nicht hinnehmen. „Unsere Mitgliedsclubs sind erwachsen genug, um ein eigenes Urteil zu fällen, ohne Anweisungen des ECA-Präsidenten zu erhalten“, erwiderte EPL-Chef Lars-Christer Olsson, der sich am Mittwoch in Nyon mit UEFA-Boss Aleksander Ceferin treffen will, um die Sicht der Ligen klarzumachen. Auch der österreichische EPL-Generalsekretär Georg Pangl kämpft gegen die ECA-Pläne.

Manch einer der großen Clubs befindet sich in einer Zwickmühle, da er sowohl den nationalen Ligen wie auch den ECA-Interessen verpflichtet ist. Das trifft auf die Bayern oder Borussia Dortmund zu, wie auch auf die Top-Clubs aus England, wo Tradition und Kommerz die Premier League zu einem Erfolgsmodell machen.

Agnelli hingegen tüftelte im März mit der UEFA erstmals konkrete Ideen einer neuen Champions League für den neuen Vermarktungszyklus ab 2024 aus. In einem Drei-Stufen-Modell soll der Wettbewerb organisiert sein. Wer einmal dabei ist, kann kaum wieder rausfliegen. Diese ökonomische Planbarkeit im Milliardengeschäft behagt dem Fiat-Spross Agnelli. „Wir sind diejenigen, die planen müssen, wir sind die, die investieren. Um ein Unternehmen führen zu können, benötigt man die komplette Übersicht“, sagte Agnelli.




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