Letztes Update am Di, 07.05.2019 15:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Karadzic nahm telefonisch an Podiumsdiskussion teil



Podgorica/Den Haag (APA) - Der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic (73) lässt es sich nehmen, seine kruden nationalistischen Thesen aus dem Gefängnis des Haager UNO-Tribunals zu verbreiten. Der verurteilte Kriegsverbrecher Karadzic habe am Samstag per Telefon an einer Podiumsdiskussion in Montenegro teilgenommen, berichtete das Internetportal „portalanalitika“.

Karadzic habe dabei seine frühere Analogie zwischen Nationswerdung und Geburt wiederholt. Sowohl ein Staat als auch ein Kind würden „im Blut geboren“, sagte der Ex-Politiker, der für seine Rolle beim Völkermord an tausenden Bosniaken in der Stadt Srebrenica und bei weiteren Kriegsverbrechen in Bosnien-Krieg (1992-95) zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde.

An der Podiumsdiskussion im „Serbischen Haus“ in Podgorica hatte auch der frühere bosnisch-serbische Parlamentspräsident Momcilo Krajisnik teilgenommen, der wegen Kriegsverbrechen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, mittlerweile aber wieder frei ist. Unklar war, wie es Karazdic schaffte, sich in die Diskussion einzuklinken. Der Gerichthof MICT teilte am Dienstag mit, dass diesbezüglich Ermittlungen eingeleitet worden seien.

Karadzic war nach dem Ende des Bosnien-Krieges untergetaucht und galt jahrelang als meistgesuchter mutmaßlicher Kriegsverbrecher in Ex-Jugoslawien. Immer wieder gab es Vorwürfe, dass er von den serbischen Behörden geschützt wird. Im Jahr 2008 war es dann so weit: Karadzic wurde in Belgrad gefasst, wo er zu Verblüffung der Öffentlichkeit unbehelligt unter dem Namen Dragan Dabic mit Vollbart und Brille als Heilpraktiker tätig gewesen war.




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