Letztes Update am Mi, 08.05.2019 11:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Angefeindete Christin Asia Bibi offenbar aus Pakistan ausgereist



Islamabad (APA) - Asia Bibi, die zunächst wegen Blasphemie zum Tod verurteilte und 2018 freigesprochene pakistanische Christin, hat nach Angaben ihres Anwalts Pakistan verlassen. Das berichteten mehrere Medien am Mittwoch. Demnach befinde sie sich auf dem Weg nach Kanada. Das Außenministerium in Islamabad hat sich dazu bisher offiziell nicht geäußert.

„Asia Bibi hat das Land verlassen und ist in Kanada angekommen“, sagte ihr Anwalt Saif Ul Malook mehreren Medien am Mittwoch. Wann genau die 51-jährige Katholikin ausgereist war, sagte Malook nicht. Nähere Details wurden zunächst nicht bekannt. Anonyme Quellen aus dem Außenministerium bestätigten die Information allerdings gegenüber pakistanischen Medien.

Anfang Februar hatten Medien unter Verweis auf Angaben des ehemaligen Rechtsanwalts der Frau berichtet, sie sei schon in Kanada in Sicherheit, was sich dann aber nicht bestätigte. Andere Vertraute berichteten in den vergangenen Wochen, dass sich Asia Bibi zusammen mit ihrem Mann weiterhin unter Behördenschutz an einem geheimen Ort in Pakistan aufhält.

Asia Noreen, genannt Asia Bibi, war im Jahr 2009 auf Basis der berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans in ihrem Heimatort in der Region Punjab festgenommen worden. Muslimische Kolleginnen hatten die katholische Landarbeiterin beschuldigt, durch das Trinken aus demselben Gefäß das Wasser verunreinigt und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben.

Sie bestritt die Vorwürfe, wurde aber verhaftet und im November 2010 in erster Instanz zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Oktober 2014 bestätigte ein Berufungsgericht das Urteil, im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und machte damit den Weg frei für eine erneute Anhörung. Diese verzögerte sich immer wieder, endete aber letztlich Ende Oktober 2018 mit einem Freispruch.

Nach dem Urteil verlangten Islamisten mit gewaltsamen Protesten eine Vollstreckung der Todesstrafe. Die pakistanische Regierung sagte daraufhin zu, Asia Bibi keine Ausreise zu genehmigen bis das Oberste Gericht über eine etwaige Revision des Freispruchs befindet. Am 29. Jänner 2019 bestätigten die Richter den Freispruch.

Menschenrechtsaktivisten sehen in Asia Bibi ein Symbol für den Missbrauch der Blasphemiegesetze in Pakistan, die laut Kritikern häufig zur Lösung persönlicher Konflikte herangezogen werden. 95 Prozent der Bevölkerung in Pakistan sind Muslime. Der Rest sind religiöse Minderheiten: Christen, Hindus, Sikhs und Parsen. Zur katholischen Kirche bekennen sich rund 1,5 Millionen Menschen. Insgesamt leben in Pakistan sechs Millionen Christen, die zusammen etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen.




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