Letztes Update am Mi, 08.05.2019 13:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zerstückeltes Opfer im Neusiedler See versenkt - Beratung begonnen



Wien (APA) - Im Mordprozess im Wiener Straflandesgericht haben sich am Mittwoch bereits um 12.15 Uhr die Geschworenen zur Beratung zurückgezogen. Zuvor hatte die Staatsanwältin klar gemacht, dass nur die Höchststrafe angemessen sei, während Verteidigerin Astrid Wagner sich gegen lebenslange Haft aussprach und auf die verminderte Steuerungsfähigkeit ihres Mandanten verwies.

„Ich habe viel gehört, was bei ihm schiefgelaufen ist und über seine Befindlichkeiten, aber ich habe nicht gehört, es tut ihm leid - kein einziges Wort der Reue oder des Bedauerns“, kritisierte die Staatsanwältin. „Er ist auch ein Mensch mit seiner Geschichte“, wandte sich Wagner an die Geschworenen. Lebenslang sei ihrer Ansicht nach nur für eiskalte Triebtäter gedacht. Zudem sah sie eine Vorverurteilung durch Medien. „Wenn nicht die ungustiöse Geschichte mit dem Zerstückeln und dem Gulasch wäre, dann wäre das eine Allerweltsgeschichte“, sagte die Juristin.

„Ich habe sehr wohl gesagt, dass es mir leidtut“, meinte der Angeklagte in seinem Schlusswort, um gleich darauf neuerlich minutenlang über seine finanziellen Probleme, seine Krankheiten, die Wohnung seiner Mutter, S und Beziehungsprobleme zu berichten. Für all dies machte er Gott und die Welt, aber nicht sich selbst verantwortlich. „Ich habe mich verlassen und verarscht gefühlt.“

„Sie hat mich angesprochen, nicht ich sie“, meinte der 64-Jährige. „Hätte sie sich an das gehalten, was ausgemacht war, wäre gar nichts passiert.“ Er bitte nicht um ein mildes Urteil, „ich werde nie wieder heimgehen“, wolle aber aufzeigen, was dazu geführt habe.

Zuvor hatte der psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann dem Angeklagten eine schwere Persönlichkeitsstörung attestiert. Dieser sei emotional instabil mit Aggressionsausbrüchen und niedriger Frustrationstoleranz. Zugleich habe er eine narzisstische Ausprägung und wolle im Mittelpunkt stehen. Seine bisherigen Vorstrafen würden eine hochsexualisierte, sadistische Gewalt zeigen.

Dass der 64-Jährige nach zahlreichen Gutachten überhaupt bedingt aus dem Maßnahmenvollzug entlassen wurde, erklärte sich Hofmann u.a. mit dem „Charme des Psychopathen“. Er habe gute Umgangsformen und wirke durch sein Alter und die Krankheit als älterer, freundlicher Mann. Im Alter hätten Männer weniger Testosteron, was die Wahrscheinlichkeit von Aggressionsdelikten verringere. Hätte man damals jedoch von den Folter-Pornos gewusst, die nach der Festnahme auf dem PC des Angeklagten gefunden hat, wäre man wohl zurückhaltender mit der Entlassung gewesen.

Ob das 28-jährige Opfer tatsächlich durch Erwürgen ums Leben gekommen ist, konnte die medizinische Sachverständige Elisabeth Friedrich nicht sagen, da die entsprechenden Körperteile nicht gefunden wurden. Dadurch seien auch mögliche Misshandlungen nicht mehr festzustellen. Das Zerstückeln sei jedenfalls sehr aufwendig gewesen und habe Stunden gedauert. Dabei sei zudem sehr professionell vorgegangen worden, weshalb man zunächst vermutet habe, ein Arzt oder Fleischhauer könnte dafür verantwortlich sein.




Kommentieren