Letztes Update am Mi, 08.05.2019 13:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heimatlicher Horror: Kurt Palms „Monster“



Wien (APA) - „Und das Land lag öd und leer, und die Zeit war endlos und schwarz“, lautet die letzte Zeile. Das Ende eines Buches zu verraten, ist eigentlich ungehörig. Bei Kurt Palms „Monster“ ahnt man allerdings von der ersten Seite an: Das wird nicht gut ausgehen. Zu vielgestaltig sind die Schrecken, die er heraufbeschwört. Morgen, Donnerstag, wird sein Roman in der Wiener Brunnenpassage präsentiert.

Mit „Bad Fucking“ (2010) hat der 1955 in Vöcklabruck geborene Regisseur und Autor einen Bestseller vorgelegt, in dem sich Satire und Groteske, Heimatroman und Krimi mischten. Land und Leute wurden von ihm ebenso liebevoll wie rücksichtslos aufs Korn genommen und dabei die Menschen in all‘ ihrer Bösartigkeit und Hilflosigkeit gezeigt. In „Monster“ setzt er noch ordentlich eines drauf und bedient sich genüsslich an den verschiedenen Subgenres des Horrors.

Schauplatz ist der idyllische Rottensee. In ihm und um ihn braut sich ganz schön was zusammen, und Palm macht sich ein höllisches Vergnügen daraus, gleichzeitig verschiedene Handlungsstränge zu entwickeln, bei denen man ahnt: Dagegen nimmt sich der Streifen, den ein international gefeierter Horrorfilm-Regisseur gerade am Ufer des Sees dreht, wie ein Kindergeburtstag aus. Was ist schon der mit viel Kunstblut inszenierte Endkampf von Vampiren und Zombies gegen die auf die Spitze getriebene Ignoranz der heimischen Politik, gegen die Dumpfheit der nur auf den eigenen Vorteil bedachten Bewohner, gegen die Rache der Natur an ihrer permanenten Ausbeutung und gegen die verdrängten Sünden der Vergangenheit, die einen unweigerlich eines Tages einholen?

So begegnet man Monsterfischen und Vampiren, Ebola-Viren und Volks-Rock‘n‘Roller, Nazi- und Umwelt-Verbrechen. Für Figuren wie eine Innenministerin, einen Investor oder einen Altbürgermeister greift Palm tief in die Klischeekiste, dafür gibt es aber auch unkonventionelle Liebesgeschichten und nachdenkliche Altbauern, die mit sich zuletzt doch noch ins Reine kommen wollen. Ins Zentrum des turbulenten Geschehens hat Palm einen Polizisten platziert, der ahnt, was alles auf die Menschen des Ortes zukommt. Und dessen Warnungen niemand Glauben schenkt. Palm lehrt uns das Gruseln, indem er uns den Spiegel vorhält. Es ist eine alte Methode. Sie hat aber noch nichts von ihrer kathartischen Kraft eingebüßt.

(S E R V I C E - Kurt Palm: „Monster“, Deuticke, 304 Seiten, 21 Euro; Buchpräsentation morgen, Donnerstag, 9. Mai, 19 Uhr, in der Brunnenpassage, Wien 16, Brunnengasse 71. Ab 13. Mai im Buchhandel. www.palmfiction.net)




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