Letztes Update am Mi, 08.05.2019 14:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess wegen Putschversuchs in Montenegro: Urteil am Donnerstag



Podgorica (APA) - Nach einem Marathonprozess soll in Podgorica am Donnerstag das Urteil in erster Instanz wegen eines mutmaßlichen Putschversuches im Oktober 2016 verkündet werden. Laut der Anklage hatten die 14 vermeintlichen Putschisten, darunter zwei Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes, eine Besetzung des Parlamentes nach den Wahlen vom 16. Oktober 2016 geplant.

Die Anklage beschuldigte die mutmaßlichen Putschisten - gegen die russischen Geheimdienstmitarbeiter lief das Verfahren in Abwesenheit - des Terrorismus und der kriminellen Vereinigung. In Abwesenheit wurde zuletzt das Verfahren auch gegen die einzige Angeklagte geführt; die Serbin Branka Milic hatte im November 2018 nämlich Zuflucht in der serbischen Botschaft in Podgorica gefunden.

Unter den Angeklagten befinden sich auch zwei Spitzenfunktionäre der oppositionellen Demokratischen Front (DF), Andrija Mandic und Milan Knezevic.

Der Putschversuch war durch die Festnahme einer Gruppe von serbischen Staatsbürgern am Vorabend der Wahl vereitelt worden. Unter den Festgenommenen befand sich auch ein ehemaliger serbischer Sonderpolizeifunktionär.

Der Prozess hatte im Sommer 2017 begonnen. Es handelt sich um das erste Gerichtsverfahren, das vom öffentlich-rechtlichen Fernsehsender direkt übertragen wird. Für Sprengstoff sorgte kurz vor dem Abschluss des Prozesses der Kronzeuge Sasa Sindjelic, der seine Aussage änderte. Wie er im Gespräch mit einem Belgrader TV-Sender im März erklärte, war anders als von ihm zuvor geschildert gar kein Putsch geplant, sondern nur eine Demonstration zur Unterstützung der pro-serbischen Parteien.

Die montenegrinischen Behörden vermuten Russland hinter dem Putschversuch. Moskau hatte vor zwei Jahren mit großem Unmut auf die Aufnahme Montenegros in die NATO reagiert.




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