Letztes Update am Mi, 08.05.2019 15:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Diskussion um Zusatztafeln für belastete Straßennamen in Villach



Villach (APA) - In Villach könnten bald Zusatztafeln für historisch belastete Straßennamen montiert werden: Der von der Stadt beauftragte Historiker Werner Koroschitz hat die Namensgeber unter die Lupe genommen und empfiehlt, „einen zusätzlichen Erklärungstext bei Straßennamen für Personen, deren Biografien die Verstrickung mit dem NS-Regime weit über das übliche Maß von Opportunismus und Mitläufertum aufweisen“.

Sein fertiger Prüfbericht liegt der Stadt Villach seit wenigen Tagen vor. Er soll am 13. Mai präsentiert und öffentlich diskutiert werden. „Geschichte lebendig und sichtbar machen, nichts beschönigen und nichts auslöschen. Das soll das Ergebnis dieses wichtigen Projektes sein“, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Stadt. „Im Zusammenhang mit nationalsozialistischen Verstrickungen wollen wir aber proaktiv Aufklärung leisten und gegebenenfalls Zusatztafeln mit biografischen Erläuterungen anbringen lassen“, kündigte Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) an.

Koroschitz zufolge sind „Straßennamen Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Stadt“. Mit der Namensgebung werde ein bestimmtes Geschichtsbild vermittelt und somit auch Geschichtspolitik betrieben. Grundsätzlich geben Straßen, die nach Personen benannt werden, diesen eine besondere Ehre. Fanatische Anhängerschaft an die nationalsozialistische Ideologie, illegale NS-Betätigung zum Nachteil des österreichischen Staatengebildes, das Innehaben von wichtigen NS-Ämtern, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit sind nur einige der Kriterien, die Koroschitz in dem Projekt geprüft hat.

(S E R V I C E - Der Bericht ist zum Download unter http://go.apa.at/BvVJt4u4 zu finden)




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