Letztes Update am Do, 09.05.2019 10:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Putschisten in Montenegro zu Haftstrafen verurteilt



Podgorica (APA) - Nach einem Marathonprozess sind am Donnerstag in Montenegro rund ein Dutzend Angeklagte wegen eines Putschversuches im Oktober 2016 zu Haftstrafen verurteilt worden. Mit den höchsten Strafen -15 bzw. zwölf Jahre - wurden zwei Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes belegt. Das Verfahren gegen sie wurde in ihrer Abwesenheit geführt.

Neun serbische Staatsbürger, darunter der ehemalige Sonderpolizist Bratislav Dikic, erhielten insgesamt 28 Jahre Haft. Dikic selbst wurde zu acht Jahren verurteilt. Unter den Angeklagten befinden sich auch zwei Politiker der oppositionellen Demokratischen Front (DF), Andrija Mandic und Milan Knezevic, die jeweils zu fünf Jahren Haft verurteilt wurden. Ein weiterer Angeklagter erhielt eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung.

Die Anklage warf den Putschisten vor, eine Besetzung des Parlamentes nach den Wahlen vom 16. Oktober 2016 geplant zu haben. Ihnen wurde Terrorismus und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Nach den Worten der Vorsitzenden Richterin Suzana Mugosa hätten die Verurteilten zur Aufgabe gehabt, den Wahlsieg der oppositionellen Demokratischen Front zu verkünden, um den NATO-Beitritt Montenegros zu verhindern. Die Wahlen hatte damals die Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) von Präsident Milo Djukanovic klar gewonnen.

Der Prozess hatte im Sommer 2017 begonnen. Es handelt sich um das erste Gerichtsverfahren, das vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen direkt übertragen wurde. Für Sprengstoff sorgte kurz vor dem Abschluss des Prozesses der Kronzeuge Sasa Sindjelic, der seine Aussage änderte. Wie er im Gespräch mit einem Belgrader TV-Sender im März erklärte, war, anders als von ihm zuvor geschildert, gar kein Putsch geplant, sondern nur eine Demonstration zur Unterstützung der pro-serbischen Parteien.

Moskau hatte vor zwei Jahren mit großem Unmut auf die Aufnahme Montenegros in die NATO reagiert.

Laut Medienberichten aus Podgorica wurden die Sicherheitsmaßnahmen am heutigen Donnerstag nicht nur vor dem Gericht, sondern auch vor dem Regierungsgebäude, dem Parlament und der Staatsanwaltschaft bedeutend erhöht.




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