Letztes Update am Do, 09.05.2019 11:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zweckgebundene Spenden erschweren vorbeugende Katastrophenhilfe



Wien (APA) - Speziell bei anlassbezogenen Spendenaufrufen, etwa nach Katastrophen, werden Spender aktiv. Doch zweckgebundene Zuwendungen sind nicht nur positiv, zeigen Studien von Tina Wakolbinger von der WU Wien. Denn Hilfsorganisationen würden dadurch unflexibel. Zudem untersuchte sie, wie gemeinsame Fundraising-Initiativen mehrerer Organisationen erfolgreich werden, teilte die Uni in einer Aussendung mit.

Tina Wakolbinger vom Institut für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien widmet sich in ihrer Forschung dem Bereich Humanitäre Logistik und untersuchte in ihren Studien die Rolle der Spender sowie die direkten und indirekten Effekte ihres Verhaltens auf die Katastrophenhilfe. In mathematischen Modellen konnten sie und ihr Ko-Autor Fuminori Toyasaki zeigen, wie stark die Bedürfnisse der Spender und der Hilfsorganisationen bei zweckgebundene Spenden auseinanderliegen.

Auf der einen Seite empfinden Spender es als vorteilhaft, wenn sie mehr Auswahlmöglichkeiten haben und ihr Geld auch für einen bestimmten Zweck widmen können. Auf der anderen Seite ist es für Hilfsorganisationen nur unter bestimmen Bedingungen positiv, die Möglichkeit zur Zweckwidmung anzubieten. Das ist „dann sinnvoll, wenn der Bedarf sehr groß, aber das Spenderinteresse nur mäßig ausgeprägt ist, denn dadurch kann zusätzliche Aufmerksamkeit geschaffen werden“, so Wakolbinger.

Dagegen werde speziell bei Katastrophen mit hohem medialem Interesse immer wieder zu viel Geld gesammelt. Das könne zur Belastung werden, wenn die Spenden nicht umgewidmet werden dürfen. „Dies war zum Beispiel bei der Tsunamikatastrophe 2004 für manche Hilfsorganisationen der Fall“, so Wakolbinger. Denn gleichzeitig gebe es viele Projekte mit Geldmangel. Wenn Spender dagegen ohne Bedingungen und regelmäßig spenden, könnten wichtige vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, etwa der Aufbau von Lagerhallen, die Bevorratung von Hilfsgütern oder die Ausbildung von Katastrophenhelfern.

Die Wissenschafter haben auch untersucht, unter welchen Bedingungen die Teilnahme an Initiativen, die mehrere Hilfsorganisationen einschließen und gemeinschaftlich Fundraising betreiben, beispielsweise „Nachbar in Not“, für Hilfsorganisationen sinnvoll ist. Für Organisationen, die bereits erfolgreich professionelles Fundraising betreiben, liege der Vorteil vor allem darin, den Wettbewerb um Spendengelder zu reduzieren. Durch die Kosteneinsparung beim Fundraising würden damit mehr Spendengelder übrig bleiben, als mögliche Spendenverluste durch die Zusammenarbeit.




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