Letztes Update am Do, 09.05.2019 12:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demenz - Hilfswerk fordert Entstigmatisierung und mehr Ressourcen



Wien (APA) - Das Hilfswerk Österreich will ein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich Demenz sowie Reformen im Pflegesystem. „Die Politik ist gefordert, den nötigen Rahmen zu gestalten, in dem qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege insbesondere auch für Betroffene von Demenz und deren Angehörige möglich ist“, wurde Geschäftsführerin Elisabeth Anselm am Donnerstag in einer Aussendung zitiert.

130.000 Österreicherinnen und Österreicher leben derzeit mit demenziellen Beeinträchtigungen. Das ist jeder Vierte über 80 Jahren und fast jeder Zweite über 90 Jahren. Gesellschaft und Gesundheitssystem müssten sich jedoch schon jetzt darauf einstellen, dass sich diese Zahlen deutlich erhöhen werden, denn der wichtigste Risikofaktor sei die steigende Lebenserwartung, betonte das Hilfswerk. Bis zum Jahr 2030 werde sich die Zahl der Menschen mit Demenz etwa verdoppeln. Die Diagnose betreffe nicht nur die erkrankten Personen selbst, sondern auch deren persönliche Umgebung: Familie, Angehörige und Pflegende.

Obwohl nahezu alle Österreicher tagtäglich mit Demenz-Betroffenen in Kontakt kommen, bedeute die Diagnose „Demenz“ in der Regel Stigmatisierung, Ausgrenzung und eine in Gang gesetzte Schweigespirale, kritisierte das Hilfswerk. „Das Phänomen Demenz muss in seiner Komplexität, seiner demographischen wie gesundheitspolitischen Bedeutung und in seinen gesellschaftlichen Auswirkungen neu betrachtet werden“, forderte Anselm. „Das wäre auch ein wichtiger Beitrag zur inhaltlichen Ausrichtung einer Reform des Pflegesystems, wie sie die Bundesregierung anstrebt.“

Es brauche mehr Ressourcen u.a. für die nachhaltige Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Langzeitpflege, die Fortbildung, die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen sowie für Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige in den eigenen vier Wänden. „Je älter die Gesellschaft wird, desto weniger wird Demenz zum Einzelfall, sondern zum familiären Regelfall. Demenz spielt sich mitten in der Gesellschaft ab. Und so müssen wir ihr auch begegnen“, ist Anselm überzeugt.

(S E R V I C E - Zwei neue Ratgeber des Hilfswerks zum Thema Demenz: http://presse.hilfswerk.at/faktencheck-pflege; www.hilfswerk.at/mehr-als-vergesslich und www.hilfswerk.at/ich-bin-dann-mal-alt)




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