Letztes Update am Do, 09.05.2019 14:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowenien - Nach Entführung rückt Migrantenthema in den Fokus



Ljubljana (APA) - Nach einem Zwischenfall mit illegalen Migranten im slowenisch-kroatischen Grenzgebiet rückt in Slowenien das Migrantenthema rund zwei Wochen vor der EU-Wahl stark in den Vordergrund. Rechtsgerichtete Parteien, vor allem die SDS von Ex-Premier Janez Jansa, schlagen Alarm und fordern sofortiges Handeln der Regierung, nachdem am Mittwoch ein älterer Mann von illegalen Migranten entführt wurde.

Die Regierung habe die Lage an der Südgrenze nicht unter Kontrolle, kritisierte Jansa am Donnerstag über Twitter und forderte eine sofortige Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. „Die erste Sorge jeder Regierung muss die Sicherheit der eigenen Bürger sein. Punkt“, schrieb der Oppositionsführer.

Bereits am Mittwochabend, als die Entführungsgeschichte in den Medien veröffentlicht wurde, rief Jansa die Regierung auf, „endlich“ die Grenze und die Bevölkerung abzusichern. „Ansonsten werden wir uns selbst organisieren und sichern müssen“, betonte er.

Jansas Bündnispartner bei der EU-Wahl, der Chef der slowenischen Volkspartei (SLS), Marjan Podobnik, verlangte, dass Polizei und Armee die Grenze für illegale Migranten dicht machten und die Menschen beschützten. „Und das sofort!“, schrieb er ebenfalls auf Twitter.

Auch aus der neuen rechtsextremen Partei „Domovinska liga“ (Heimatliga) kam der Aufruf nach Sicherung der Grenze „mit allen Mitteln“, forderte deren Parteichef Berard Brscic. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es wegen der Pro-Migranten-Politik der Regierung zu den ersten Todesopfern kommen wird. Begreift es doch, dass illegale Migranten ein großes Sicherheitsproblem sind“, schrieb Brscic auf Twitter.

Die Entführung in der südlichen Region Bela Krajina, die große Empörung in sozialen Netzwerken auslöste, wurde am Donnerstag von der Polizei bestätigt. Ein 79-jähriger Mann wurde in seinem Weinberg in Mali Nerajec in der Region Bela Krajina von unbekannten Männern gefesselt und in den Kofferraum seines Wagens gesteckt. Zusammen mit dem Opfer fuhren die Männer rund sechs Stunden in Slowenien herum, bevor sie in die Nähe der italienischen Grenze kamen. Gegen 18.00 Uhr hielten sie laut Polizei in einem Dorf bei Divaca an, schnitten dem Mann die Fesseln durch und ließen ihn zusammen mit dem Wagen dort stehen. Den Weg in Richtung Italien setzten sie zu Fuß fort. Das Opfer blieb unverletzt und konnte in einem nahegelegenen Haus die Polizei alarmieren.

Etwa zwei Stunden später nahmen italienische Behörden, die von slowenischen Kollegen über den Vorfall informiert worden waren, drei Verdächtige im italienischen Ort Basovizza fest. Sie befinden sich derzeit in Gewahrsam der slowenischen Polizei. Wie die Behörden bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erklärten, handelt es sich bei den mutmaßlichen Tätern um einen 25-jährigen Marokkaner und zwei 18-Jährige aus Algerien. Alle drei wurden bereits Ende April beim illegalen Grenzübertritt nach Slowenien erwischt und zurück nach Kroatien abgeschoben. Nach einem vierten Mann, der bei der Entführung dabei gewesen sein soll, aber bereits zuvor den Wagen verlassen haben soll, wird noch gefahndet.

Trotz des Zwischenfalls versicherte die Polizei am Mittwoch, dass die Lage an der Grenze unter Kontrolle sei. Die Patrouillen an der Südgrenze seien noch zusätzlich verstärkt worden, hieß es.

Laut Polizeistatistik ist heuer die Zahl von illegalen Grenzübertritten an der slowenisch-kroatischen Grenze im Vergleich zum Vorjahr deutlich höher. Bis jetzt wurden 3.020 Migranten bei illegalen Grenzübertritten aufgegriffen, doppelt so viele wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Die meisten stammten aus Algerien, Pakistan und Marokko.

Aus dem südslowenischen Grenzgebiet gibt es auf sozialen Netzwerken immer wieder Berichte über Einbrüche in leer stehende Häuser und deren Verwüstung, was illegalen Migranten zugeschrieben wird. Die Bewohner zeigen sich durch die zunehmende Übertritte der grünen Grenze verängstigt. Erst vor knapp zwei Wochen demonstrierten die Bewohner des Grenzortes Jelsane gegen die Pläne der Regierung, dort ein Registrierungszentrum für Migranten aufzustellen.




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