Letztes Update am Do, 09.05.2019 15:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lange Spitalssuche bei Akutfällen: Für KAV „absolut inakzeptabel“



Wien (APA) - Nach einem am Donnerstagvormittag veröffentlichten Bericht des Wiener Stadtrechnungshofes, wonach es zu teilweise langen Wartezeiten bei der Übergabe von Akutpatienten von der Berufsrettung an Spitäler des Krankenanstaltenverbundes (KAV) gekommen ist, haben die kritisierten Stellen spontan eine Pressekonferenz einberufen. Es wurde betont, dass bereits Gegenmaßnahmen gesetzt wurden.

Michael Binder, medizinischer Direktor des KAV, bezeichnete dabei die langen Wartezeiten für Akutpatienten - laut Stadtrechnungshof gab es Fälle mit mehr als zwei Stunden Wartezeit - als „absolut inakzeptabel“. „Wir nehmen die Erkenntnisse des Rechnungshofes sehr ernst“, sagte er.

Nachdem der Rechnungshof den KAV über die Prüfungsergebnisse informiert hatte, habe man sofort mit Maßnahmen reagiert, so der medizinische Direktor. Seither würde etwa in Echtzeit abrufbar sein, in welchem Krankenhaus wie viele Betten zur Verfügung stehen. Das betreffende Computerprogramm sei zum Zeitraum der Überprüfung des Rechnungshofes „nicht auf dem aktuellen Stand“ gewesen und Wartungsarbeiten unterzogen worden, gestand man am Mittwoch ein.

Durch die Verbesserung des Betteninformationssystems wären auch nur mehr maximal zwei Anrufe im jeweiligen Krankenhaus notwendig, erklärte Rainer Gottwald, Leiter der Berufsrettung Wien. Damit könne man Zeit sparen. Das gemeinsame Ziel sei nun, 80 Prozent der Patienten innerhalb von 15 Minuten an ein Spital zu übergeben. Patienten mit besondere medizinischen Herausforderungen sollen innerhalb von 25 Minuten einen sicheren Platz in einem Krankenhaus haben.

Seitdem die Notärzte der Berufsrettung im April 2017 vom KAV übernommen wurden, ist laut Gottwald auch die Kommunikation zwischen den Notärzten und den Ärzten in den Notaufnahmen besser. Auch der Ausbau der Zentralen Notaufnahmen in Krankenhäusern hätte die Situation verbessert.

Moritz Haugk, Leiter der Abteilung für Notfallmedizin im Krankenhaus Hietzing, erklärte, dass die Bettensuche stets parallel zur medizinischen Versorgung der Patienten vor Ort erfolgen würde. Wenn die Versorgung länger dauere - beispielsweise aufgrund einer Reanimation - würde auch deswegen oft viel Zeit vergehen, bis der Patient ins Spital eingeliefert werden könne.

Im vergangenen Jahr, also erst nach der Untersuchung des Stadtrechnungshofes, habe es jedenfalls keinen ähnlichen Fall mehr gegeben, wurde versichert. Darüber hinaus habe, nach Kenntnissen des KAV, auch kein Patient einen Schaden durch die Verzögerungen erlitten.

Die Wiener Oppositionsparteien waren unterdessen entsetzt über das Ergebnis der Stadtrechnungshof-Prüfung. NEOS-Klubobmann Christoph Wiederkehr äußerte sich - laut eigenen Angaben - schockiert: „Das ist ein Wahnsinn und kann in diesen dringenden Fällen oft Leben oder Tod bedeuten.“ ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec kritisierte in einer Aussendung: „Hier stehen Menschenleben auf dem Spiel und die schnellstmögliche Versorgung muss sichergestellt werden.“

Die FPÖ hat auch einen Schuldigen für den Missstand gefunden: „Rot-Grün ist der Totengräber des Wiener Gesundheitssystems“, ist Vizebürgermeister Dominik Nepp in einer Aussendung überzeugt. Dabei erinnerte er an die von seiner Partei angekündigte Untersuchungskommission, wo „die zahlreichen Missstände unter rot-grüner Herrschaft schonungslos“ aufgedeckt werden sollen.




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