Letztes Update am Do, 09.05.2019 18:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankfurter Börse



Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Der raue Wind zwischen den USA und China hat die Anleger am Donnerstag wieder in die Flucht getrieben. Die Sorge vor einem eskalierenden Handelskonflikt zog den DAX immer weiter nach unten, am Ende ging der deutsche Leitindex 1,69 Prozent tiefer bei 11.973,92 Punkten aus dem Handel. Nach einem kurzen Aufbäumen zur Wochenmitte steht er nun erstmals seit Mitte April wieder unter der Marke von 12.000 Punkten.

Zwar finden ab diesem Donnerstag neue Gespräche zwischen den USA und China statt, die Tonalität ist jedoch zuletzt auf beiden Seiten mit gegenseitigen Drohungen wieder schärfer geworden. US-Präsident Donald Trump warf der chinesischen Führung die Rücknahme bereits gemachter Zusagen vor und will ab Freitag höhere Sonderzölle erheben, worauf China mit angedrohter Vergeltung reagierte. Angesichts der gegenseitigen Rhetorik ist die Hoffnung auf eine baldige Lösung des Handelsstreits mittlerweile wieder so gut wie verflogen.

Der Abwärtssog wurde am Nachmittag nochmals verstärkt von den ebenfalls fallenden US-Börsen. Vor diesem Hintergrund ging es auch für den MDAX deutlich um 1,64 Prozent bergab auf 25.224,04 Punkte.

Der technische Analyst Andreas Büchler von Index-Radar sieht den DAX derzeit in einem Korrekturmodus nach dem Muster „ein Schritt hoch, zwei Schritte runter“, was weit besser sei als ein panikartiger Ausverkauf. Am Vortag hatte sich der Leitindex zwar kurz aufgebäumt, nun aber knüpfte er wieder an seine Talfahrt zu Wochenbeginn an. Wer neu einsteigen will, brauche daher offensichtlich noch etwas Geduld, fügte der Experte hinzu.

Auf Unternehmensseite blickten die Anleger einmal mehr auf eine Flut an frischen Geschäftszahlen. So verhalfen bessere Wetterbedingungen dem Baustoffkonzern HeidelbergCement im Auftaktquartal zu mehr Gewinn und Umsatz als von Experten erwartet. Davon gestützt behaupteten sich die Aktien mit einem halben Prozent im Plus. Jene der Deutschen Telekom gaben infolge der Zahlen in einem ähnlichen Maß nach, was aber immerhin besser war als der schwache Gesamtmarkt.

Ein „Tag zum Vergessen“ war es jedoch für die Anleger von Continental. Der Autozulieferer erlitt im ersten Quartal wegen der Schwäche der internationalen Märkte einen herben Gewinneinbruch und enttäuschte mit einem hohen Abfluss an Barmitteln. Die Aktien sackten am DAX-Ende um 5,3 Prozent ab. Die Papiere der Allianz gesellten sich dort nur optisch wegen der ausgezahlten Dividende hinzu.

Auch im MDAX war es ein von Zahlenvorlagen geprägter Tag. Schlusslicht unter den mittelgroßen Werten waren die Papiere von Metro mit einem Kursrutsch um 7,6 Prozent. Abschreibungen auf die Supermarkttochter Real drückten den Handelskonzern im zweiten Geschäftsquartal tief ins Minus.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 dagegen überzeugte mit seinen Resultaten, mitunter dank der Online-Sparte. Die Aktie hob sich mit einem Anstieg um 3,3 Prozent nicht nur vom MDAX, sondern auch vom europaweit schwachen Umfeld für TV-Aktien ab. Wie Barclays-Analyst Julien Roch schrieb, ist ein besser als erwartetes erstes Quartal des TV-Konzerns so etwas wie das Gegenteil dessen, was der britische Branchenkollege ITV kürzlich präsentierte.

Indexübergreifend waren Immobilienwerte in dem schwachen Marktumfeld sehr gefragt, darunter Vonovia im DAX und LEG im MDAX mit Anstiegen um 2,7 und 2,9 Prozent. Zum Einen wird die Branche in unruhigen Börsenzeiten für ihren defensiven Charakter geschätzt. Zum Anderen überzeugte LEG den Markt mit guten Resultaten.

~ ISIN DE0008469008 ~ APA492 2019-05-09/18:23




Kommentieren