Letztes Update am Do, 09.05.2019 20:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien dringt auf politische Lösung des Libyen-Konflikts



London/Tripolis (APA/AFP) - Großbritannien drängt die Konfliktparteien in Libyen zur Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Es kann keine militärische Lösung geben“, erklärte Außenminister Jeremy Hunt am Donnerstag nach einem Treffen mit dem international anerkannten libyschen Regierungschef Fayez al-Sarraj in London.

Der einzige Weg zur Beendigung der Gewalt sei die Einigung auf eine Waffenruhe und eine Wiederaufnahme der politischen Verhandlungen unter Führung der UNO, so Hunt. Al-Sarraj hatte in den vergangenen Tagen bereits in Italien, Deutschland und Frankreich um die Unterstützung der Europäer im Konflikt mit dem vor Tripolis stehenden General Khalifa Haftar geworben. Die Regierungen in Rom, Berlin und Paris verlangten ebenfalls ein Ende der Kämpfe und neue Verhandlungen. Ende Jänner war Sarraj auch in Wien, wo ihm die Bundesregierung „volle Unterstützung“ zusicherte.

Gleichzeitig mit der Europa-Tour von Sarraj war auch General Haftar zu einer Reise ins benachbarte Ägypten aufgebrochen. Dort sicherte ihm Präsident Abdel Fattah al-Sisi seine „Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus und gegen extremistische Milizen“ zu, „um Sicherheit und Stabilität in Libyen wiederherzustellen“, wie ein Sprecher des Präsidentschaftsbüros mitteilte. Die Nationale Libysche Armee (LNA) unter Führung Haftars schaffe ein „günstiges Klima für politische Lösungen“. Haftar wiederum, der zuletzt am 14. April in Ägypten war, verurteilt die „Einmischung ausländischer Kräfte in libysche Angelegenheiten“.

Haftar hatte am 4. April eine Offensive auf Tripolis gestartet, wo die international anerkannte „Einheitsregierung“ ihren Sitz hat. Seitdem liefern sich die zur „Tripolis Protection Force“ zusammengeschlossenen Milizen erbitterte Kämpfe mit den Einheiten Haftars. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden dabei bisher mehr als 430 Menschen getötet. Mehr als 55.000 Menschen wurden nach UNO-Angaben vertrieben.

In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis, die international besonders von der Türkei, Katar und Italien unterstützt wird, ist militärisch auf die Unterstützung loyaler Milizen angewiesen und kontrolliert auf diese Weise kaum noch mehr als den Großteil von Tripolis und Umgebung. Haftar hingegen unterstützt das international anerkannte Parlament in Tobruk, das mit der Regierung in Tripolis verfeindet ist und erhält dabei Unterstützung von Russland, Ägypten sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Bei einem Anschlag in der von Haftars Truppen kontrollierten Stadt Ghadwa wurden am Donnerstag nach Angaben aus Sicherheitskreisen bis zu drei Zivilisten getötet. Mehrere Angreifer eröffneten demnach das Feuer auf ein Polizeirevier und andere Gebäude. Zudem setzten sie Häuser von Sicherheitskräften in Brand und entführten vier Einwohner. Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) reklamierte den Anschlag für sich. Die Regierung in Tripolis verurteilte die „feige“ Attacke.

(alternative Schreibweisen: Ghodwa, Serraj)




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