Letztes Update am Fr, 10.05.2019 09:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Filmfestspiele Cannes: Starker Österreich-Jahrgang



Cannes/Wien (APA) - Die 72. Filmfestspiele von Cannes gehen mit starker österreichischer Beteiligung über die Bühne. Nicht nur in Nebensektionen wie der Quinzaine des Realisateurs oder Cinefondation treten heimische Filme an, trotz Abwesenheit des doppelten Palme-Gewinners Michael Haneke ist Österreich auch im Wettbewerb vertreten: Jessica Hausners Science-Fiction-Thriller „Little Joe“ hat am 17. Mai Weltpremiere.

Die 46-jährige Wienerin, die bei ihrem neuen Film (gemeinsam mit Geraldine Bajard) auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete, rückt die alleinerziehende Gentechnikerin Alice (Emily Beecham) in den Fokus. Sie hat eine rote Blume entwickelt, die schön aussieht, gut riecht und Menschen glücklich macht - aber vielleicht nicht so harmlos ist, wie sie scheint. Der majoritär von der - von Hausner mitbegründeten - Wiener coop 99 produzierte Film ist ihre erste auf Englisch gedrehte Arbeit, aber bereits ihr fünftes Antreten in Cannes: 1999 wurde ihre Filmakademie-Abschlussarbeit „Inter-View“ in der Cinefondation gezeigt, danach wurde sie 2001 mit ihrem ersten Spielfilm „Lovely Rita“, 2004 mit „Hotel“ und 2014 mit „Amour Fou“ jeweils in die Reihe Un Certain Regard eingeladen.

Zahlreiche österreichische Schauspieler wie Valerie Pachner, Karl Markovics, Tobias Moretti, Johannes Krisch oder Sophie Rois spielen in einem weiteren Wettbewerbsfilm mit, der zudem auch ein österreichisches Thema behandelt: US-Regisseur Terrence Malick erzählt in „A hidden life“ (Premiere: 19. Mai) die wahre Lebensgeschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der aus Gewissensgründen den Kriegsdienst bei der Wehrmacht verweigerte. Er wurde 1943 hingerichtet und 2007 seliggesprochen. Felix Mitterer hat aus seiner Geschichte ein 2013 uraufgeführtes Drama gemacht. Für Malicks lange unter dem Arbeitstitel „Radegund“ (nach Jägerstätters oberösterreichischem Geburtsort) firmierende deutsch-amerikanische Produktion wurden auch deutsche Stars wie August Diehl in der Titelrolle und Shootingstar Franz Rogowski verpflichtet.

In der Reihe Quinzaine des Réalisateurs feiert der Dokumentarfilm „Lillian“ von Andreas Horvath am 20. Mai seine Premiere. Der von der Ulrich Seidl Film produzierte Streifen mit Hauptdarstellerin Patrycja Planik wird als „Chronik eines langsamen Verschwindens“ angekündigt: Lillian, als Pornodarstellerin in New York gestrandet, will zu Fuß in ihre Heimat Russland zurückgehen. Der 1968 geborene Salzburger Regisseur, der auch für das Drehbuch und die Kamera verantwortlich ist, präsentiert damit ein experimentelles Roadmovie, das sich quer durch die USA in die Kälte Alaskas zieht.

Und schließlich hat am 22. Mai in der Nachwuchsschiene Cinefondation eine Arbeit der Wiener Filmakademie ihre Weltpremiere: Im knapp 18-minütigen Film „Favoriten“ zeigt der 1985 geborene Berliner Martin Monk die Begegnung einer jungen Autostopperin (Lia Wilfing) mit einem Ingenieur (Christian Dolezal), der sie in seinem Auto Richtung Italien mitnimmt. Die Einladung ist eine Ehre und ein Versprechen für die Zukunft: Schließlich hat in dieser Sektion der Selection officielle vor 20 Jahren die internationale Karriere von Jessica Hausner begonnen.

(S E R V I C E - www.festival-cannes.com)

(A V I S O - Am Nachmittag plant die APA, ein Kurzinterview mit Regisseurin Jessica Hausner zu senden.)




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