Letztes Update am Fr, 10.05.2019 10:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Die Macht der Dinge“ im Weltmuseum erzählt Geschichten aus der Welt



Wien (APA) - Von Benin und Äthiopien nach Tibet und Afghanistan, weiter in den Iran und die Südsee: Das Stück „Die Macht der Dinge“, das am Donnerstag im Wiener Weltmuseum Premiere feierte, schickt sein Publikum einmal quer durch die Weltgeschichte. Mittelpunkt jeder Station bilden die Erzählungen der Schauspieler der Theatergruppe „Badluck“, die Ausstellungsstücke als Ausgangspunkt ihrer Performances nehmen.

In dem Theaterstück, das unter der künstlerischen Leitung von Karl Baratta entstand, wird das Publikum in Gruppen aufgeteilt durch das Museum geführt. Die fünf Szenen dauern jeweils 15 Minuten, das Gesamtkonzept der Produktion stammt von „Badluck“. Die Geschichten werden stets unmittelbar dargestellt, ohne Distanz zwischen Schauspielern und Zuhörern. Lediglich zwei mobile Scheinwerfer inszenieren eine Bühnensituation. Die Dauerausstellung des Weltmuseums ist in Bezug auf das Erzählte wohl ein besonders geeignetes Bühnenbild - es geht um Erlebtes aus der ganzen Welt.

Geflüchtete Menschen und Migranten verweisen in der jeweiligen Performance auf einen Gegenstand, der mit der eigenen Herkunft und Geschichte verknüpft wird. Durch dieses Element werden die in den Vitrinen aufbewahrten ethnologischen Ausstellungsstücke zu erlebbaren Objekten. Wie etwa eine Puppe aus dem Jemen, die zum Schicksal der Mutter von der iranischen Künstlerin Negin Rezaie führt. Flucht, Feminismus und die einzigartige Ausdrucksmöglichkeit durch die Kunst werden dabei thematisiert.

Auch Museumsdirektor Christian Schicklgruber lässt in einer Unterhaltung den aus Afghanistan stammenden Bagher Ahmadi an seiner Zeit als Adoptivsohn einer nepalesischen Familie teilhaben. Der Zuschauer erhält den Eindruck, nicht einer Theatervorstellung, sondern einer alltäglichen Unterhaltung beizuwohnen. Dies wird auch durch die Alltagskleidung der Schauspieler suggeriert.

Zumeist spielt Europa und sein Wirken auf die ins Zentrum gerückten Länder eine Rolle. Die Schauspielerin Cat Monroe Davis etwa thematisiert den Einfluss britischer Kolonialherrschaft auf die Wertvorstellungen des heutigen Nigeria. So geht es ebenfalls in einer Performance, die das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer inszeniert, um Europa.

Als historisch-europäischen Blick auf die Welt wird die Wahrnehmung des Thronfolgers Franz Ferdinand von Markus Stolberg und Stella Asiimwe dargestellt. Stolberg schlüpft dabei in die Rolle eines selbstgefälligen Franz Ferdinand, der über ferne Länder und Jagderfolge sinniert. Das Stück beginnt und endet in der beeindruckenden Säulenhalle des Weltmuseums. So erfrischend das rotierende Element in dem Stück ist - es hätte den tiefgründigen und teils sehr persönlichen Geschichten vermutlich mehr Raum zum Nachwirken eingeräumt werden können.

(S E R V I C E - „Die Macht der Dinge - Szenen zur Migration“, Gesamtkonzept: Gruppe Badluck, Künstlerische Leitung: Karl Baratta, Weltmuseum Wien, Weitere Vorstellungen: 12., 23. Mai, 26. September, 1., 8. und 13. Oktober, 19.30 Uhr, Tickets: 01 / 525 24 - 2500, https://www.weltmuseumwien.at/programm/die-macht-der-dinge/)




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