Letztes Update am Fr, 10.05.2019 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zäher konzertanter „Oberon“ in der Grazer Oper



Graz (APA) - Warum Carl Maria von Webers „Oberon“ heute kaum noch gespielt wird, ist nach der konzertanten Aufführung in der Grazer Oper klar geworden: Ein zähes, sperriges Werk mit nur wenigen musikalischen Höhepunkten, eingebettet in eine abstruse Handlung. Bei der Aufführung am Donnerstag wurde das Ganze noch durch Zwischentexte von Wieland zerstückelt, die Birgit Minichmayr nuanciert vortrug.

Während sich der „Freischütz“ regelmäßig auf den Opernspielplänen findet, führt Webers 1826 uraufgeführte Oper „Oberon oder Des Elfenkönigs Schwur“ heute eher ein Schattendasein. Selten Gespieltes zur Diskussion zu stellen ist eine lobenswerte Sache, und unter diesem Aspekt hatte der Abend seine Berechtigung.

Die Bühne war bis zum letzten Platz gefüllt, Orchester, Chor und Solisten sowie ein Video im Hintergrund wurden aufgeboten, um einen Eindruck von der „großen romantischen Feenoper“ zu vermitteln. Die Musiknummern wurden durch Verse aus Christoph Martin Wielands Epos „Oberon. Ein Gedicht in zwölf Gesängen“ verbunden, und diese Texte trug Birgit Minichmayr mit viel Gestaltungsfreude und Intensität vor.

Das alles war gut erdacht, funktionierte aber nur teilweise. Durch die ständigen Unterbrechungen war es nicht möglich, einen wirklichen Eindruck von der Musik zu bekommen. Chefdirigentin Oksana Lyniv tat ihr Möglichstes, um die Grazer Philharmoniker farbenprächtig klingen zu lassen, doch konnte auch sie keine größeren Bögen schaffen, weil - oft schon nach ein paar Takten - immer gleich wieder Schluss war. So blieb nur, die einzelnen Musiknummern mehr oder weniger als Einzelstücke zu hören, und diese waren über weite Strecken eher mäßig.

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Von den Sängern ragten Ilker Arcayürek als souveräner, sicherer Oberon und Anna Brull als warmtönende, lebendige Fatime heraus. Gisela Stille gab eine stilvoll-distanzierte Rezia, Jason Kim war mit der Partie des Hüon etwas überfordert. Thomas Essl (Scherasmin), Mareike Jankowski und Tetiana Miyus ergänzten das Ensemble, das in einer gut gemachten szenischen Produktion oder zumindest einer „puren“ konzertanten Aufführung sicher mehr Profil beweisen hätte können.

Ein neuer Anlauf zur Wiedererweckung von „Oberon“ wird bereits am Montag (13. Mai) im Theater an der Wien gestartet: Nikolaus Habjan bringt in seiner Inszenierung auch Puppen auf die Bühne, Thomas Guggeis übernimmt die musikalische Leitung, Oberon wird von Mauro Peter verkörpert, Annette Dasch singt die Rezia.

(S E R V I C E - „Oberon“ von Carl Maria von Weber. Verbindende Verse von Christoph Martin Wieland. Musikalische Leitung: Oksana Lyniv. Erzählerin: Birgit Minichmayr. Mit: Ilker Arcayürek (Oberon), Gisela Stille (Rezia), Anna Brull (Fatime), Jason Kim (Hüon von Bordeaux), Mareike Jankowski (Puck), Tetiana Miyus (Meermädchen). Nächste Aufführungen: 19. und 23. Mai, Karten: 0316/8000, https://www.oper-graz.com)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter https://www.oper-graz.com/press/press-images/productions/20182019/ob eron zum Download bereit.)




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