Letztes Update am Fr, 10.05.2019 11:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zusammenstöße in Mazedonien von 2015 von Behörden initiiert?



Skopje (APA) - Die blutigen Zusammenstöße in der Stadt Kumanovo in Mazedonien (heute Nordmazedonien) im Mai 2015 könnten von den damaligen Behörden inszeniert worden sein. Es gebe Indizien, dass die damals regierenden Nationalkonservativen dadurch eine weitere Veröffentlichung von Telefonaten, die von der Regierung abgehört wurden, seitens der Opposition verhindern wollte, sagte Innenminister Oliver Spasovski.

Der Sozialdemokrat erläuterte am Donnerstagabend im Gespräch mit dem TV-Sender 21 allerdings nicht, um was für Indizien es sich konkret handle. Die Sozialdemokraten, damals die stärkste Oppositionspartei, hatten im Februar 2015 mit der Veröffentlichung von Mitschnitten der Telefonate begonnen, die kriminelle Machenschaften der von den Nationalkonservativen geführten Regierung unter Ministerpräsident Nikola Gruevski beweisen sollten. Unter anderem wurde enthüllt, dass Tausende Bürger von den Behörden illegal abgehört worden waren.

Gruevski selbst war im Vorjahr auf Basis der Enthüllungen der Sozialdemokraten wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Vor dem Haftantritt im November floh er nach Ungarn, wo er Asyl erhielt. Gegen Gruevski laufen in Skopje derzeit noch vier weitere Prozesse.

Während der zweitägigen Zusammenstöße in Kumanovo kamen am 9. und 10. Mai 2015 18 Personen, darunter acht Polizisten, ums Leben. Weitere 30 Ordnungshüter wurden verletzt. Etwa 30 Mitglieder einer bewaffneten Albaner-Gruppe - mehrere stammten aus dem Kosovo - wurden festgenommen. Die Hintergründe der Ereignisse wurden bisher nicht einwandfrei geklärt.

Nordmazedonien hat seit Mitte 2017 eine sozialdemokratische Regierung von Ministerpräsident Zoran Zaev.




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