Letztes Update am Fr, 10.05.2019 12:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pflanzenschutzmittel - Bauern rufen nach mehr legalen Mitteln



Wien (APA) - Zuletzt haben sich in der Landwirtschaft die Rufe nach Anwendungserlaubnissen von Pflanzenschutzmitteln sehr gehäuft. Grund ist der Klimawandel, der die bisher bekannte Landwirtschaft in Österreich - je nach Region mehr oder weniger - gefährdet. Grundsätzlich ist die EU für Zulassungen zuständig. Zum Teil können Notfallzulassungen von Pflanzenschutzmitteln helfen - und deren Zahl stieg zuletzt.

Den Bauern geht es eher um dauerhafte Zulassungen, die „nicht bienenschädlich“ sein sollen, wie es zuletzt Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau (IGE), im Gespräch mit der APA ausdrückte. Es gehe um einen „sinnvollen Pflanzenschutz“ argumentierte er. Ein Kritikpunkt der heimischen Bauern am Fallbeispiel der Kartoffelproduzenten scheint nachvollziehbar: Nachdem heuer wegen der Trockenheit im Vorjahr eine Versorgungslücke mit einheimischen Erdäpfeln entstand, die Ende Mai/Anfang Juni wieder enden sollte, wurden Kartoffeln aus Ägypten und Israel importiert, die sehr wohl mit gewissen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, die hierzulande illegal sind. Solche Vorgänge finden die heimischen Landwirte unfair. „Wir können die Versorgung ohne sinnvollen Pflanzenschutz nicht mehr sicherstellen“, alarmierte Wanzenböck. Ähnliches gilt laut bäuerlicher Argumentation für einige Teilbereich der Landwirtschaft, etwa für den Zuckerübenbau.

Kritiker - vor allem Nicht-Regierungsorganisationen die sich dem Umweltschutz verschrieben haben - sehen sowohl in dauerhaften als auch in notfall-zugelassenen Pflanzenschutzmitteln ein Gesundheitsrisiko. Sie sorgen sich vor einem Bienen- und Insektensterben sowie weiteren negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Erst gestern sagte der Präsident der Land- und Forstbetriebe, Felix Montecuccoli, es brauche künftig Pflanzenschutzmittel, um den Borkenkäfer Herr zu werden. Zudem forderte er eine „Waldmilliarde“ die zu einem Gutteil in die Forschung zur Weiterentwicklung der Bäume im Sinne der Klimaresistenz dienen solle.

Im Büro von Landwirtschafts- und Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wurde heute auf APA-Anfrage darauf verwiesen, dass besonders der Pflanzenbau vom Klimawandel betroffen ist. Die Folgen seien unterdurchschnittliche Ernten, durch geringere Bestandsdichten bzw. geringere Kornzahlen pro Ähre. Die angebotenen Pflanzensorten erfüllten nicht die Voraussetzungen, um diese Schäden wirkungsvoll abzuwehren. Also bedürfe es „zukunftsfitter“ Sorten, die stabile Erträge und Qualitäten des Erntegutes auch bei Wetterextremen hervorbringen. Das Landwirtschaftsministerium will gemeinsam mit Saatgut Austria und der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) daher, wie schon im Vorjahr bekanntgeworden war, neue Pflanzensorten züchten, um die „Erträge auch bei extremen Wetterbedingungen sicherstellen“.

„Das wichtigste Projektziel ist, klimafitte Sorten für Österreich zu entwickeln und diese an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen, hier arbeiten wir bereits intensiv gemeinsam mit der AGES daran“, sagte ein Sprecher von Köstinger. „Das insgesamt extrem trockene Jahr 2018 war sehr repräsentativ, um gezielt hitze- und trockenheitstolerantes genetisches Ausgangsmaterial für diese Sorten zu selektieren.“ Im ersten Projektabschnitt sei das Verhalten der neuen Zuchtstämme in der Umwelt eruiert worden. Selbiges gelte für die Ermittlung der Qualitäten der neuen Zuchtstämme. „Es konnten bereits einige Stämme zur weiteren Prüfung gezüchtet werden.“




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