Letztes Update am Fr, 10.05.2019 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Serbien demonstriert in Nis modernisierte Militärmacht



Belgrad (APA) - Bei einer Militärparade unter dem Motto „Verteidigung der Freiheit“, die zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges abgehalten wurde, hat Serbien am heutigen Freitag im südserbischen Nis seine in den vergangenen Jahren modernisierte Militärmacht demonstriert. Die aktuelle politische und Sicherheitslage sei sehr kompliziert, sagte Präsident Aleksandar Vucic gegenüber Medien in Nis.

„Serbien wird sich verantwortungsbewusst verhalten, den Frieden und die Stabilität wahren“, versicherte der Staatschef ferner. An der Militärparade nahmen laut Ankündigungen rund 4.000 Soldaten und Polizisten teil.

Eine bessere Ausrüstung im Vergleich mit jener vor sieben Jahren würde Serbien nun ermöglichen, eine unabhängige Politik zu machen, freute sich Vucic. Unter Berufung auf eine beliebte Redewendung des Präsidenten des einstigen Jugoslawien, Josip Broz Tito, meinte er auch, dass es gelte, „jederzeit bereit zu sein, das Land zu verteidigen“.

Die ungelöste Kosovo-Frage dürfte einer der Gründe gewesen sein, die Militärparade zum ersten Mal nicht in Belgrad, sondern in Nis, unweit der Grenze zum Kosovo, abzuhalten. Zuletzt war in der serbischen Hauptstadt 2014 eine Militärparade abgehalten worden.

Serbien hat dank einiger Anschaffungen in Russland in den vergangenen Jahren die Ausrüstung seiner Streitkräfte modernisiert. Die jüngste Neuanschaffung - zwei russische Kampfhubschrauber vom Typ MI-35 - waren laut Medienberichten diese Woche in Serbien eingetroffen, um bei der Militärparade präsentiert zu werden.

Bereits im Jahre 2015 war mit Moskau der Kauf von 30 Panzern vom Typ T-72 und 30 BRDM-Panzerfahrzeugen vereinbart worden. Ihre Auslieferung würde in den kommenden Tagen erfolgen, berichtete diese Woche das russische Internetportal Sputnik.

Zu den Neuanschaffungen der letzten Jahre gehörten auch acht Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29. Als er 2012 Verteidigungsminister geworden sei, habe Serbien nur ein fluguntaugliches MiG-29 gehabt, erinnerte Vucic heute.

Der serbische Präsident hat am Freitag die Anschaffung von weiteren drei Hubschraubern vom Typ MI-17, dreier Puma-Schützenpanzer und dreier Rettungshubschrauber vom Typ H 145 angekündigt.

Die Militärparade sollte laut früheren Plänen eigentlich bereits am 24. März abgehalten werden, um den 20. Jahrestag des Beginns der NATO-Luftangriffen gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien-Montenegro) zu gedenken. Die westliche Allianz hatte durch das Bombardement damals dem Kosovo-Krieg ein Ende gesetzt. Nach öffentlicher Kritik hatte sich Vucic für die Verschiebung der Militärparade auf Mai entschlossen.

Der Belgrader Militäranalyst Aleksandar Radic hat unterdessen die Militärparade als „große Finanzlast zu innenpolitischen Zwecken“ kritisiert. Es handle sich um eine teure Wahlkampagne, meinte er. Die Parlamentswahlen sind in knapp einem Jahr fällig. In der Öffentlichkeit wird angesichts anhaltender Antiregierungsproteste allerdings immer wieder über ihre mögliche Vorverlegung spekuliert.

In mehreren Städten Serbiens wurden am gestrigen Donnerstag nach russischem Vorbild Aufmärsche abgehalten, bei welchen Hunderte Menschen Bilder ihrer Familienangehörigen trugen, die im Zweiten Weltkrieg, aber auch in den Kriegen der neunziger Jahre, ums Leben gekommen waren.

„Es ist unser Ziel, in zwei Jahren mehr als 10.000 Mann an der Militärparade teilnehmen zu lassen. Wenn man in Moskau (am Donnerstag) 13.000 teilnehmen ließ, können auch wir 10.000“, schwärmte Vucic in Nis.

Serbien hatte sich 2007 durch eine parlamentarische Resolution zur militärischen Neutralität verpflichtet.




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