Letztes Update am Fr, 10.05.2019 13:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl - Wiener wirbt mit Kogler für Änderung der Agrarsubventionen



Graz (APA) - Zwei so quirlige Redner auf einmal hatte das Medienzentrum in Graz schon lange nicht zu Gast: Der Grünen-Spitzenkandidat zur EU-Wahl, Werner Kogler sowie Listenzweite Sarah Wiener forderten viel: Agrarrevolution, Bauernbefreiung, Lebensmittelkennzeichnung in der Gastronomie, Importstopp für Lebensmittel ohne EU-Standards - bevor es zu Bürgerkontakten auf den Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz ging.

Bei aller Forderung nach Agrarwende und Agrarrevolution vergaß Kogler am Freitag bei der Pressekonferenz in Graz nicht auf Attacken auf die EU-Politik der Bundesregierung: „Wir müssen uns den großen Fragen zuwenden und nicht dem Klein-Klein, mit dem Bundeskanzler Sebastian Kurz den EU-Gipfel in Sibiu kontaminiert hat“, sagte Kogler. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron komme „mit großen Themen und Kurz macht Klein-Klein“, sagte der Grünen-Spitzenmann. Das EU-Agrarbudget nannte er eine gigantische Fehlsteuerung. Die Förderungen müssten mittelfristig bis 2028 runtergefahren und in die richtige Richtung gelenkt werden. Dies sehe so aus: Weniger bis Schluss mit den Flächenförderungen, weniger Gift und Tierleid, zentrale Forderung. Landwirtschaftliche Strukturen müssten kleinräumig und ökologisch sein. Bei öffentlichen Beschaffungen von Lebensmitteln von Bund, Ländern und Gemeinden müssten ökologisch und sozial gerecht hergestellte Produkte eingekauft werden

Wiener „als leidenschaftliche Köchin und aufgeklärte Frau aus der Zivilgesellschaft“ steigerte sich in eine emotionale und zornige Rede über Agroindustrie und Subventionen hinein: „Der Bauer in Österreich und der EU produziert unter Preis, das ist ein Wahnsinn. Das Geld wird nicht in der Landwirtschaft verdient, sondern an der Landwirtschaft“, kritisierte die Starköchin, selbst Teilzeit-Landwirtin mit einem Hof in der norddeutschen Uckermark. „Wir brauchen eine Bauernbefreiung, denn das, was derzeit mit landwirtschaftlichen Produkten gemacht wird, ist eine Verelendung und keine Veredelung“, so Wiener, die u.a. auch heftig kritisierte, dass weltweit rund 27.000 Pestizide zugelassen sein.

„Wir brauchen dringend eine Lebensmittelkennzeichnung in Gastronomie. Es wird vermutet, dass jedes zweite Hendl und Schnitzel am Teller nicht aus der EU stammt. Ich werde Ihnen das nicht aus der Hand schlagen, aber ich möchte die Wahl haben“, wetterte Wiener. Der Körper dürfe nicht ein Endlager für Gifte und Pestizide werden. Was auch für Kleidung gelte, bestätigte Wiener auf APA-Nachfrage. Sie selbst trug am Freitag zum Marktbesuch ein Dirndl aus nachhaltigem Baumwolle ohne chemische Behandlung einer Seewalchener Trachtenmanufaktur.

Kogler zeigte sich überzeugt, dass „von diesem Kontinent noch etwas zur Weltverbesserung kommen kann, der Kontinent muss es nur wollen. Das meiste wäre schon gewonnen, wenn alle das tun, was sie versprechen. Das gilt auch für das EU-Parlament“. Der ganze Wahlkampf sei ja von vermeintlichen Klimaschützern kontaminiert: Da müsse er sich nicht mit Konzernen anlegen, „wenn ich solche Lulus als Abgeordnete habe“, sagte Kogler.

~ WEB http://www.gruene.at ~ APA360 2019-05-10/13:37




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