Letztes Update am So, 12.05.2019 10:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fabelhaftes Action-Ballett: „Peter Pan“ an der Volksoper



Wien (APA) - Ballett als Abenteuergenre: Mit „Peter Pan“ hat die Wiener Volksoper ihrem Repertoire für junges Publikum ein echtes Schmuckstück hinzugefügt. Die Uraufführung des Kinderbuchklassikers als Tanzstück der hauseigenen Ballettmeisterin Vesna Orlic wurde gestern, Samstag, Abend herzhaft bejubelt. Dieses Nimmerland als Kindertanztheater ist voller Action, Spaß und Poesie.

James Matthew Barries Geschichte um „Peter Pan“ hat alles, was Kinder gerne auf der Bühne sehen: Feenstaub und Riesenkrokodile, Piraten und Indianer, schlimme, freche, mutige Kinder und eine geheimnisvolle Insel. Text: Braucht man nicht, wenn man Geschichten so plastisch mit dem Körper erzählen kann, wie Orlic in ihrer temporeichen, detailverliebten Choreographie.

Ihr Ensemble und seine Persönlichkeiten hätte sie zu dem Stück inspiriert, sagte Orlic im Vorfeld zu APA - und das sieht man. Keisuke Nejime als Peter, Suzanne Kertesz als Tinker Bell und allen voran Laszlo Benedek als Captain Hook brillieren sowohl als Tänzer, wie als Schauspieler, die fast stummfilmartig präzise Charakterstudien abliefern. Hook als eitler Blödian, der Flamenco tanzt und sich von seinen Piraten betüteln lässt, ist eine hinreißend witzige Figur, famos auch Peter Pans widerspenstiger Schatten (Robert Weithas) mit verblüffend gesetzten Akrobatik-Einlagen.

Den Stummfilm-Eindruck verstärkt man durch die Zusammenstellung der Musik - vorrangig von österreichischen Filmmusik-Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das treibende, handlungsfreundliche Medley mit Nummern von Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner, Franz Waxmann und anderen ist mitunter durchaus anspruchsvoll, der Graben groß besetzt und wie am Gürtel üblich am oberen Ende der erfreulichen Lautstärkeskala.

Die Melodien sind passgenau gewählt, sie geleiten uns zielsicher auf unserem - poetisch videounterstützten - Flug nach Nimmerland, bei der köstlichen Abendtoilette von Hook, beim exotisch-tänzerischen Fest der Indianer und beim wilden Durcheinander des großen Showdowns am Piratenschiff. Mit der für ein Kinderstück doch eher ausgereizten Dauer von plus zwei Stunden (Pause inklusive) kann das nimmermüde Patchwork der Film-Komponisten aber auch Erschöpfungserscheinungen zeitigen. Garantiert ist jedenfalls: Es gibt viel zu lachen, fast nie etwas zu fürchten und immer etwas zu sehen in dieser liebevoll gearbeiteten Tanzfabel. Fabelhaft.

(S E R V I C E - „Peter Pan“ von Vesna Orlic. Dirigent: Wolfram-Maria Märtig. Mit Keisuke Nejime, Robert Weithas, Suzanne Kertész, Mila Schmidt, Laszlo Benedek, Patrik Hullman, weitere Termine am 14., 18., 25., 29. Mai; 3., 17., 27. Juni. Volksoper Wien. www.volksoper.at)




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