Letztes Update am So, 12.05.2019 10:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eckert und Meyer zicken sich in „Sechs Tanzstunden“ aus der Isolation



Wien (APA) - Was passiert, wenn zwei schwierige Persönlichkeiten in einer Lebenskrise zusammengewürfelt werden? Im Falle von Richard Alfieris Erfolgsstück „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ führt es zum Zickenkrieg in allen Taktarten. Im Kasino am Schwarzenbergplatz reichten einander am Samstagabend Andrea Eckert und Markus Meyer die Hand zum kurzweiligen Tanzvergnügen. Das Premierenpublikum dankte es ihnen.

Von einer Agentur vermittelt, treffen die pensionierte Lehrerin Lily Harrison (Eckert) und der Tanzlehrer Michael Minetti (Meyer) in einem Apartment im Rentnerparadies Florida aufeinander. Er braucht nach einer gescheiterten Karriere als Broadwaytänzer den Job und sie einfach Gesellschaft, um die reichlich vorhandene Zeit zu füllen. Der vermeintlich gedeihlichen Win-win-Situation stehen in der Inszenierung von Martina Gredler jedoch von Beginn an die sehr eigenwilligen Persönlichkeiten der beiden Protagonisten im Weg. Schon ab der ersten der titelgebenden sechs Tanzstunden dominieren jene Frechheiten, Lügen und daraus abgeleitete Pointen, die die Geschichte vorantreiben.

Für eine „vereinsamte und vom Leben verbitterte Lehrerin“, wie es im Ankündigungstext heißt, versprüht Eckert von Beginn an erstaunlich viel Elan - das verleiht den Konfrontationen Heftigkeit. Meyer gibt den betont aufbrausenden, kostümwechselfreudigen, schwulen Tanzlehrer fast schon zu überdreht. Nach dem entsprechend holprigen Start in die wechselseitige Lehrer-Schüler-Beziehung macht man dann aber schnell Fortschritte im mit viel Verve und sichtbarer Freude von den beiden Schauspielern vorgetragenen Tanz (Choreographie: Daniela Mühlbauer).

Über die Zeit wird aber auch greifbarer, warum sich die beiden einerseits nicht über den Weg trauen und einander trotzdem echtes Interesse entgegenbringen. Ab und zu weht dabei ein Hauch von leichter Sommertheater-Komödie durch das Kasino. Die Seiten zwischen Screwball-komödiantischem Pointenschleudern und etwas tiefgründigerem Psychodrama werden da und dort jedoch etwas zu sprunghaft gewechselt. Trotz ihres Witzes entpuppt sich nicht zuletzt Alfieris Story aus dem Jahr 2001 schon ein wenig angestaubt und vorhersehbar.

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Als Katalysator für die sich entwickelnde Beziehung der beiden sozial isolierten Hitzköpfe, die einander über weite Strecken bei jeder Gelegenheit treffsicher anzicken, entfaltet der Tanz dann natürlich seine heilsame Wirkung. In den Tanzszenen entkommt das ungleiche Paar den zwar geschmackvoll-nüchtern möblierten, aber doch engen und kühlen vier Wänden.

Hinter dem teils transparenten Bühnenaufbau (Sophie Lux) rückt mit der Liveband (musikalische Leitung: Andreas Radovan) der dritte Bühnen-Hauptakteur ins Bild. Und auch nach dem am Samstag mit Applaus bedachten Ende des rund neunzigminütigen Abends bleibt die Band am Ruder. Im Anschluss an die Aufführungen lädt man im Kasino nämlich auch das Publikum zum Tanz, wenn die Location zum „Ballroom“ mit wechselnden Themen wird.

(S E R V I C E - „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ von Richard Alfieri, Kasino am Schwarzenbergplatz. Regie: Martina Gredler, mit Andrea Eckert und Markus Meyer, Bühne: Sophie Lux, Kostüme: Lejla Ganic, Musik: Andreas Radovan, Choreographie: Daniela Mühlbauer. Weitere Termine im Mai: 14., 15., 27. und 31.5. Infos unter Tel. (01) 513 1 513 oder www.burgtheater.at)




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