Letztes Update am Mo, 13.05.2019 09:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zum Handelskonflikt USA-China



Amsterdam/Madrid/Moskau (APA/dpa) - Zum Handelskrieg zwischen den USA und China äußern sich die Kommentatoren internationaler Zeitungen am Montag.

So meint die Amsterdamer Zeitung „de Volkskrant“: „Die beiden größten Volkswirtschaften führen Krieg, und zwei weitere ökonomische Großmächte, die Europäische Union und Japan, sehen am Rande des Schlachtfeldes zu, ohne Anstalten zu machen, als Vermittler aufzutreten. Wenn zwei Konkurrenten gegeneinander antreten, schwächen sie sich gegenseitig, und das ist gut für die eigene Position, so ist wohl der Gedanke. Aber das stimmt höchstens kurzfristig. Die EU kann von einem durch den Handelskrieg angeschlagenen China verlangen, Ungleichheiten zu beseitigen, über die sie, einschließlich der Niederlande, klagen. (...)

Aber unterm Strich und auf längere Sicht führt der Konflikt zwischen den USA und China jedoch zu globaler Unsicherheit und schadet der Weltwirtschaft. Laut IWF werden sowohl die chinesische als auch die amerikanische Wirtschaft weniger stark wachsen, wie immer der Konflikt auch ausgehen mag. Selbst ein Handelskrieg hat nur Verlierer.“

Die spanische Zeitung „El País“ schreibt:

„Der Handelskrieg zwischen den USA und China ist eine der Ursachen für die schlechten Wachstumsaussichten auf der ganzen Welt und speziell in Europa. Vielleicht die Hauptursache. Ein Abkommen, das dem Konflikt ein Ende setzt, wäre daher die erste Voraussetzung für eine Verbesserung der Aussichten für den Welthandel und für eine Minderung der Sorgen vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft. Das Abkommen schien nahe, doch die Entscheidung der USA, die chinesischen Produkte bei laufenden Verhandlungen mit Strafzöllen von bis zu 200 Mrd. Dollar (178,1 Mrd. Euro) zu belegen, hat für einen heftigen Rückschlag gesorgt (...) Die Verhandlungen wurden nicht abgebrochen und werden in Peking fortgesetzt werden. Aber (US-Präsident Donald) Trump hat eine seiner Lieblingstaktiken benutzt, die darin besteht, seine Gesprächspartner mit einer Machtdemonstration zu destabilisieren und bei Verhandlungen bis an die Grenzen zu gehen. Dass ein Abkommen unterzeichnet wird, ist für die Konjunkturaussichten der nächsten vier Jahre entscheidend.“

In der Moskauer Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ heißt es:

„Die Konfrontation zwischen Washington und Peking entfaltet sich mit neuer Kraft (...) Ökonomen befürchten, dass die Auseinandersetzung zu einer weltweiten Rezession führt, dass die Ölpreise und die Börsenkurse fallen. Für Russland verheißt diese Eskalation im Handelskrieg nichts Gutes. Wenn die Rohstoffpreise fallen, dann auch der Rubelkurs (...)

Nach Meinung von Experten geht es hier aber nicht nur um einen Ausgleich der amerikanisch-chinesischen Handelsbilanz, sondern auch darum, China den Weg zu amerikanischen Technologien zu versperren. Und auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich China zu einem Weltmarktführer bei Innovationen und zu einer führenden Weltmacht entwickelt.“




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