Letztes Update am Mo, 13.05.2019 15:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Oberrabbiner: Moskau für Juden sicherer als EU-Städte



Bonn (APA) - Der Präsident der Europäischen Rabbiner-Konferenz, Pinchas Goldschmidt, sieht ein großes Sicherheitsproblem für Juden in Europa. Für Juden sei es in Moskau sicherer, sich mit Kippa auf der Straße zu zeigen, als etwa in Berlin oder Brüssel, erklärte Goldschmidt laut Kathpress am Montag im Deutschlandfunk. Es werde immer schwieriger, in Europa Jude zu sein, sagte der Moskauer Oberrabbiner.

Die meisten Anschläge auf Synagogen hätten sich in den vergangenen Jahren in Westeuropa ereignet, sagte Goldschmidt. Straßen-Antisemitismus sei in Russland weniger geduldet. Das habe auch mit der Migration nach Europa zu tun. In Westeuropa würden Angriffe auf Synagogen inzwischen meist von islamistischen Radikalen verübt, in Russland und den USA seien nach wie vor überwiegend Rechtsradikale die Täter.

Goldschmidt beklagte Gesetzesinitiativen in mehreren Ländern, die sich gegen religiöse Regeln wie die Beschneidung oder das Schlachten von Tieren richteten. Die meisten dieser Initiativen richteten sich in erster Linie gegen Muslime, sagte der Rabbiner. „Wir Juden sind da die Kollateralschäden.“ In zwei belgischen Regionen hatte die Politik das Schlachten von Tieren nach dem jüdischen und islamischen Religionsrecht, das sogenannte Schächten, verboten.

Goldschmidt äußerte sich an Anlass der Generalversammlung der Europäischen Rabbiner-Konferenz, die am Montag im belgischen Antwerpen begann. An ihr nehmen rund 350 jüdische Gelehrte aus Europa teil.




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