Letztes Update am Di, 14.05.2019 08:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bartoli im Musikverein: Ein Springinkerl geht auf Tuchfühlung



Wien (APA) - Bevor man in gut drei Wochen bei den Salzburger Pfingstfestspielen wieder zusammenkommt, haben sich am Montag Cecilia Bartoli und ihr Ensemble Musiciens du Prince-Monaco im Wiener Musikverein eingefunden. Schließlich ist man auf Tournee mit dem aktuellen „Vivaldi“-Album der Mezzosopranistin - die ideale Gelegenheit für das Klassik-Springinkerl, mit dem Publikum auf Tuchfühlung zu gehen.

Mit dem Abend blickt Bartoli auf den Raketenstart ihrer Karriere zurück, der 1999 mit dem heute legendären „The Vivaldi Album“ zündete. Damals brachte die Römerin nicht nur sich, sondern auch ihren Landsmann (zurück) ins Scheinwerferlicht und wurde mitverantwortlich für die Wiederentdeckung des Vivaldi-Oeuvres abseits der „Vier Jahreszeiten“. Allerdings fällt der Rückblick 20 Jahre nach dieser ersten Einspielung anders aus, hat sich La Bartoli doch neuen Arien zugewandt, die, dramaturgisch ohne Pause gesetzt, bewusst keinen Raum für Applaus lassen. Durchwirkt ist dieser Themenabend dabei just mit den „Vier Jahreszeiten“ - mithin ein kleiner Rückschritt, wenn man so will.

Zugleich wird dieser Gassenhauer des Genres von den Musiciens du Prince durchaus frisch interpretiert, auch wenn die Monegassen kein Originalklangensemble der kantigen Sorte sind, sondern geschmeidige Zeisige, die die Stücke im Kolibritempo durcheilen, aber meist das Kantable, das Tänzerische in den Vordergrund stellen. Die Dynamik ist hoch und wird allenfalls hie und da von einem ungewohnten Ritardando unterbrochen.

Als virtuoser, jedoch immer wieder auch unsauber intonierender Soloviolinist ist Andres Gabetta mit von der Partie. Schließlich ist Bartoli mit den Gabettas auf Du und Du, hat sie doch mit der cellospielenden Schwester Sol 2017 „Dolce duello“ eingespielt. Und das augenzwinkernde Duellduett stand auch im Musikverein im Fokus, wenn Bartoli mit den zwitschernden Bläsern wiederholt in den Sangeswettstreit tritt. Dass sie dafür auch die Zuschauerreihen durchstreift, um ihrem Publikum hautnah zu sein, überzeugt dann auch etwaige letzte Zweifler in der Bartoli-Gemeinde. Der charmanten Koloraturritterin kann man schließlich noch nicht einmal übelnehmen, das hinter ihr das Orgelprospekt im Musikverein in buntem Neonlicht erstrahlt.

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(S E R V I C E - www.ceciliabartoli.com)




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