Letztes Update am Di, 14.05.2019 14:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eiszeit im Badeort Sotschi



Moskau (APA/AFP) - Die Gesprächsthemen dürften US-Außenminister Mike Pompeo, seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow und Präsident Wladimir Putin bei ihrem Treffen in Sotschi nicht ausgehen. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind auf einem Tiefpunkt, die Regierungen in Washington und Moskau sind indirekte Gegner in mehreren Konflikten auf der Welt. Ein Überblick über die wichtigsten Streitpunkte:

Iran

Das Atomabkommen mit dem Iran soll das Land am Bau von Atomwaffen hindern. Die USA und Russland gehörten 2015 zu den Unterzeichnern des Vertrags. Washington verkündete vor einem Jahr aber seinen Ausstieg aus der Vereinbarung - zum Ärger der Regierung in Moskau, die wie die europäischen Partner und China daran festhalten will. Die USA setzten den Iran außerdem mit harten Sanktionen unter Druck. Der Konflikt verschärfte sich zuletzt, als Teheran einen Teilrückzug aus dem Abkommen verkündete und die USA Kriegsschiffe und Langstreckenbomber in den Nahen Osten schickten.

Ukraine

Nach der Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim im März 2014 durch Russland verhängten die USA ebenso wie die EU Sanktionen gegen Moskau. Washington unterstützt die pro-westliche Regierung in Kiew, während Moskau auf der Seite der Separatisten in der Ostukraine steht.

Syrien

Auch in dem Bürgerkriegsland unterstützen beiden Länder unterschiedliche Konfliktpartien. Russland hatte 2015 in den Krieg eingegriffen, um Machthaber Bashar al-Assad zu stützen. Die USA unterstützen hingegen syrische Rebellengruppen im Kampf gegen die IS-Miliz.

Venezuela

Der Machtkampf in Venezuela belastet die Beziehungen zwischen den USA und Russland ebenfalls. Während Moskau weiterhin hinter dem umstrittenen Präsidenten Nicolas Maduro steht, zählt Washington zu den wichtigsten Unterstützern des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaido. Beide Länder werfen sich gegenseitig eine unzulässige Einmischung in die Krise in Venezuela vor.

Nordkorea

Vor dem Hintergrund der festgefahrenen Atomgespräche zwischen Nordkorea und den USA ist Moskau darum bemüht, seinen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel auszubauen. Ende April empfing Putin den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un in Wladiwostok. Im Februar war ein Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi ergebnislos abgebrochen worden. Pjöngjang warf Pompeo später „törichte und gefährliche Ideen“ vor und verlangte, dass der Außenminister künftig nicht mehr an den Verhandlungen teilnimmt.

Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl

Der US-Sonderermittler zur Russland-Affäre, Robert Mueller, fand in seiner fast zweijährigen Untersuchung zwar keine hinreichenden Beweise für eine Verschwörung des Wahlkampfteams von Donald Trump mit Russland. Er sah es aber als erwiesen an, dass Moskau versuchte, die US-Präsidentschaftswahl 2016 zu Trumps Gunsten zu beeinflussen. Der Kreml weist die Vorwürfe entschieden zurück. Pompeo warnte Russland aber bereits vor Versuchen, sich in die Präsidentenwahl im kommenden Jahr einzumischen, und drohte mit „harten Maßnahmen“.




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