Letztes Update am Mi, 15.05.2019 07:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Falke im Höhenflug



Washington (APA/AFP) - Er ist ein Falke im Aufwind. Der zuletzt deutlich verschärfte Konfrontationskurs der USA gegenüber dem Iran ist offenkundig großteils das Werk von John Bolton, dem Sicherheitsberater von Donald Trump. Sein Einfluss auf den Präsidenten ist gewachsen, seit Verteidigungsminister Jim Mattis - die wichtigste mäßigende Kraft in der Sicherheitspolitik der US-Regierung - im Dezember das Handtuch warf.

Bolton hat zuletzt auch öffentlich eine führende Rolle dabei übernommen, die US-Linie gegenüber dem Iran zu vertreten. In vagen Andeutungen warnte er vor einer gewachsenen Gefahr durch den alten Erzfeind - und begründete so die Entsendung eines Flugzeugträgers und einer Bomberstaffel in die Region. Jeden „Angriff“ würden die USA mit „unerbittlicher Kraft“ beantworten, lautete Boltons martialische Warnung an Teheran.

Die „New York Times“ berichtete zudem diese Woche, dass der Nationale Sicherheitsberater die Entsendung von 120.000 US-Soldaten in die Nahost-Vision anvisiere, sollte es iranische Angriffe auf US-Truppen geben oder das Land die Entwicklung der Atombombe betreiben. Trump dementierte den Zeitungsbericht allerdings als „Falschnachricht“.

Keinen Zweifel kann es aber daran geben, dass Bolton derzeit das Ohr des Präsidenten hat. „Er wirkt hart und stark - zwei Eigenschaften, die Trump schätzt“, sagt Robert Guttman, Außenpolitik-Experte an der Johns Hopkins University. Trump hatte Bolton im März 2018 als obersten Sicherheitsberater ins Weiße Haus geholt - als Nachfolger von H. R. McMaster, der wie Mattis den Präsidenten immer wieder zu zügeln versucht hatte.

Als Falke der besonders aggressiven Art ist Bolton schon seit Jahrzehnten im In- und Ausland eine hochkontroverse Figur. So war er unter Ex-Präsident George W. Bush als Staatssekretär im Außenministerium und Botschafter bei der UNO einer der führenden Advokaten der Militärinvasion im Irak. Vor vier Jahren plädierte Bolton dann in der „New York Times“ für Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen: „Bombardiert den Iran, um die Bombe des Iran zu stoppen“, lautete der provokante Titel seines Beitrags.

Ein Konservativer ist Bolton seit frühen Jahren. Der Sohn eines Feuerwehrmanns und einer Hausfrau aus der Ostküstenstadt Baltimore schaffte es an die Eliteuniversität Yale, wo er ein Jusstudium absolvierte und sich in dem linksliberalen Umfeld durch seine politischen Ansichten abhob. Erstmals in der Regierung arbeitete er dann unter Präsident Ronald Reagan.

Unter Trump hat der 70-Jährige mit dem buschigen Schnauzbart nun den Höhepunkt seiner langen Laufbahn erreicht - ein später Aufstieg, den er wohl nicht zuletzt seiner vorherigen Tätigkeit als Moderator bei Trumps Lieblingssender Fox News zu verdanken hat.

Boltons Einfluss macht sich auf diversen Feldern bemerkbar - weniger bei Nordkorea, wo Trump vor allem auf die Diplomatie setzt, aber etwa auch in dem harten Kurs gegenüber dem linken venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro. Seine markantesten Fußspuren hinterlässt er aber bisher in der Iran-Politik. Dass Trump zwei Monate nach Boltons Eintritt in die Regierung das Atomabkommen mit Teheran aufkündigte, war für den Sicherheitsberater ein Riesentriumph.

Nun befürchten manche, dass Bolton den Präsidenten gar zum Krieg mit dem Iran antreiben könnte. Vielleicht wird dabei aber der Einfluss Bolton doch überschätzt. Denn Trump hat seine Präsidentschaft auf dem Versprechen aufgebaut, keine „dummen Kriege“ mehr zu führen. Sein generelles Streben ist darauf gerichtet, die US-Truppeneinsätze im Ausland möglichst weit zu reduzieren und nicht noch zu steigern.

Bolton ist selbst für Trump anscheinend manchmal zu raubeinig - so jedenfalls stellt es der Präsident selbst dar. Er sei gewohnt, den Berater in seinen „harten Ansichten“ einzuhegen, berichtete Trump neulich: „Tatsächlich wirke ich mäßigend auf John ein.“




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