Letztes Update am Mi, 15.05.2019 10:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mobiles Labor misst Lachgas-Emissionen auf Zürcher Äckern



Zürich (APA/sda) - Der Stickstoff aus Dünger landet nicht nur in den Ackerpflanzen. Ein Teil entweicht als klimaschädliches Lachgas. Wissenschafter der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope messen auf Versuchsparzellen bei Zürich, wie groß diese Emissionen bei verschiedenen Bewirtschaftungsformen sind.

Lachgas ist ein Treibhausgas und trägt zur globalen Erwärmung knapp zehn Prozent bei. Agroscope erforscht seit längerem die Klimagasemissionen der Landwirtschaft und liefert damit Daten für das nationale Treibhausgasinventar. Wurden jedoch bisher Luftproben genommen und später im Labor analysiert, ist dies nun dank eines mobilen Messgeräts in einem Lieferwagen direkt an Ort und Stelle und kontinuierlich möglich, wie Marcel van der Heijden von Forschungsanstalt van der Heijden erklärte. Das Messgerät kam dafür extra für etwas mehr als eine Woche aus Manchester nach Zürich.

Am Anfang des Experiments brachten die Forschenden speziellen Dünger aus, der statt des „normalen“ Stickstoff-Isotops 14 das in der Natur viel seltenere Isotop 15 enthält. Ein Teil davon wird von den Pflanzen und Mikroorganismen im Bode aufgenommen, was völlig ungefährlich ist. Ein anderer Teil wird von den Bodenorganismen verstoffwechselt und als Lachgas (N2O) ausgestoßen, das ebenfalls das schwerere Isotop Stickstoff-15 enthält.

Nach dem Düngen platzierten die Wissenschafter zwölf Zylinder auf den verschiedenen Versuchsparzellen. An den Zylindern sind Schläuche angebracht, die zum Messgerät im Lieferwagen führen. Seit vergangenem Sonntag messen die Forscher so kontinuierlich, wie viel Lachgas entweicht, und können diese Emissionen mit der Menge ausgebrachten Düngers in Beziehung setzen.

„Aus Laborversuchen wissen wir, dass nach dem Düngen die Lachgasemissionen ansteigen und nach zwei bis drei Tagen wieder abfallen - also einen ‚Peak‘ bilden“, so der Agroscope-Forscher. Dass Stickstoff als Lachgas entweicht, sei eigentlich ein Verlust für die Pflanze und den Landwirt, so van der Heijden, weil es nicht für die Ertragsbildung genutzt werden kann.

Am Ende der Auswertung lasse sich bestimmen, mit welcher Bewirtschaftungsform die Pflanze am meisten profitiert und am wenigsten Treibhausgas entsteht. Allerdings seien die Lachgasemissionen natürlich nur ein Aspekt von vielen, den Landwirte abwägen müssten, daneben spielen beispielsweise auch Erträge, Wirtschaftlichkeit, sowie Umweltleistungen wie Biodiversität oder Kohlenstoffspeicherung im Boden eine Rolle.




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