Letztes Update am Mi, 15.05.2019 12:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausbildungskooperation Heer-Wildbachverbauung sichert Gefahrenstellen



Obdach (APA) - Die einen haben die nötige Mannstärke und Know-how im Umgang mit Katastrophen, die anderen Planungskapazität und Fachwissen im Hochwasserschutz: In der Steiermark arbeiten Bundesheer und Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in einer Ausbildungskooperation zusammen. Im obersteirischen Obdach und in Oberwölz errichten Kadersoldaten, Rekruten und Wildbachexperten eine Hangverbauung bzw. eine Brücke.

Von der Ausbildungskooperation profitieren laut dem Militär alle Seiten: Unteroffiziere und Grundwehrdiener lernen die Feinheiten des Aufbaus und der Ausführung von Hangsicherungen und können künftig unter Anleitung nur eines Mitarbeiters der WLV solche Baumaßnahmen selbstständig abwickeln. Die WLV selbst kann dadurch ihr Personal gezielter einsetzen. „Bei dem Projekt handelt es sich um keine Übung“, sagte Oberst Christian Fiedler vom Militärkommando Steiermark bei einem Lokalaugenschein am Mittwoch an der Baustelle in einem steilen Bachhang oberhalb von Obdach. Das bedeutet, dass die Hangsicherungen, bestehend aus zehn Kästen aus mächtigen Lärchenstämmen, hinterfüllt mit Erdreich, bestehen bleiben und nicht abgebaut werden.

Profiteure sind nicht nur die Soldaten des Baupionier- und Katastrophenschutzzuges des Militärkommandos Steiermark, sondern auch die Gemeinde und die anderen Projektförderer. Dem Obdacher Bürgermeister Peter Bacher (ÖVP) zufolge waren durch die Unwetter schon im Jahr 2012 die Bahnstrecke unterbrochen und viele private Objekte schwer getroffen. Seither sei das auch immer wieder vorgekommen. Speziell der im steilen Gelände auf der östlichen Talseite liegende, sonst unscheinbare Hagenbauerbach habe durch plötzliche Wassermassen und Geröllgeschiebe den Zugverkehr der Lavanttalbahn über den Obdachersattel verlegt.

44 Soldaten arbeiten in der Woche vom 13. bis 17. Mai am Hagenbauerbach: „Wir können dabei alles üben“, sagte Stabswachtmeister Mario Metzger, Kommandant eines Baupionier- und Katastrophenhilfeeinsatzzugs des Militärkommando Steiermark. Dies reiche vom Zurechtsägen der Stämme durch Motorsägentrupps bis zum Verfüllen der Bauten. Lediglich ein Mitarbeiter der WLV ist an Ort und Stelle und führt die Aufsicht, dazu kommt der Fahrer eines sogenannten Schreitbaggers einer Firma, die mit der WLV zusammenarbeitet.

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Unterhalb der rund 100 Meter langen Baustelle im Bachlauf wurde bereits eine Geschiebesperre aus Beton errichtet. Die von einem weiteren Baupionierzug in Oberwölz über den Schöttlbach errichtete Brücke ist fast fertig. Das Personal beider Baustellen wird auch untereinander ausgetauscht, um die verschiedenen Kenntnisse zu verbreiten.

Die Hangverbauungen aus Lärchenholz, die mit Stahlstangen untereinander verbunden werden, haben den Vorteil der raschen Verlegung und der schnellen Verfügbarkeit, was gerade im Katastropheneinsatz wichtig sei, sagte Gebietsbauleiter Stefan Fieger von der WLV Steiermark West. Max Pöllinger, Leiter der WLV Steiermark, betonte, diese Kooperation gebe es nicht nur, weil sie befohlen sei. „Wir und das Bundesheer haben wegen der Unwetter und deren Folgen ständig miteinander zu tun. So können wir unser Wissen und unsere Ressourcen bündeln, die beteiligten Personen lernen sich besser kennen.“ Das Problem sei oft gar nicht so sehr die eigentliche Arbeit, sondern das Heranschaffen des Materials in die exponierten und oft auch gefährdeten Lagen.

„Wir haben bei solchen Einsätzen oft auch Alpinpersonal dabei, das die erforderlichen Sicherungen der Männer beurteilt“, sagte Oberst Fiedler. Am Hagenbauerbach liegen Sitz- und Brustgurte sowie Seilsicherungen parat, bisher wurden sie ebenso wenig benötigt wie die sicherheitshalber anwesenden Sanitäter.

Die Kosten für das Projekt zur Sicherung des Hagenbauerbachs, von Häusern und der im Talgrund vorbeiführenden ÖBB-Strecke teilt man sich: Die rund 440.000 Euro übernehmen der Bund (57 Prozent), das Land (15 Prozent), die Marktgemeinde Obdach (18 Prozent) und die ÖBB (10 Prozent). Die Ausbildungskooperation wurde durch ein Übereinkommen zwischen Verteidigungs- und Agrarministerium - zu dem die WLV ressortiert - ermöglicht.

~ WEB http://www.oebb.at/ ~ APA230 2019-05-15/12:05




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