Letztes Update am Mi, 15.05.2019 12:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kambodscha entließ elf Leihmütter aus Haft



Phnom Penh (APA/AFP) - Elf mutmaßliche Leihmütter sind in Kambodscha unter der Bedingung aus der Haft entlassen worden, dass sie die Kinder selbst behalten. Die Frauen seien auf Kaution freigekommen, sagte Chou Bung Eng, Vize-Präsidentin des Nationalen Komitees gegen Menschenhandel, am Mittwoch. Die Vorwürfe gegen sie blieben allerdings bestehen und sie würden strafrechtlich verfolgt, falls „sie die Babys verkaufen“.

Die Frauen waren im November wegen Menschenhandels angeklagt worden, nachdem sie bei einer Razzia in der Hauptstadt Phom Penh aufgeflogen waren. Das arme südostasiatische Land bemüht sich seit Jahren um eine Regulierung des Handels mit Leihmutterschaften. 2016 wurde die kommerzielle Leihmutterschaft in Kambodscha verboten. Ein Jahr zuvor hatte das Nachbarland Thailand dem lukrativen Geschäft ein Ende bereitet, mit dessen Hilfe sich vor allem Paare aus Australien und den USA ihren Kinderwunsch zu erfüllen hofften.

In Kambodscha sind es einer Agentur zufolge vor allem chinesische Paare, die bis zu 100.000 Dollar (89.000 Euro) für eine kambodschanische Frau zahlen, die ihr Kind austrägt. Die meist armen Leihmütter bekommen normalerweise zwischen 10.000 und 15.000 Dollar für ihre Dienste.

Die elf im November festgenommenen Frauen weigerten sich laut Eng den Behörden zu verraten, für wen sie die Kinder austrugen. Die Leihmütter waren seit ihrer Festnahme in Haft, einige brachten ihre Kinder hinter Gittern zur Welt.

Menschenrechtsorganisationen haben die kambodschanischen Behörden für ihr Vorgehen kritisiert, den Frauen Kinder anzuvertrauen, zu denen sie keine biologische Verbindung haben, um Gefängnisstrafen zu vermeiden. Sam Everingham von der australischen Organisation Familien durch Leihmutterschaft nannte den Fall der elf Frauen „tragisch“. Die Neugeborenen seien „Kollateralschäden“. „Die echten Verbrecher hier sind die Leihmutter-Agenten und -Agenturen, die naive Leihmütter und Wunscheltern überzeugt haben“, sagte Everingham.




Kommentieren