Letztes Update am Mi, 15.05.2019 13:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


64. Song Contest - Paenda: „Ich bin gerne aus Österreich“



Tel Aviv/Wien (APA) - Am heutigen Mittwochabend muss sich Österreichs heurige Song-Contest-Hoffnung Paenda erstmals in der Juryversion des 2. Semifinales beweisen, bevor am Donnerstag dann das offizielle Halbfinale startet. Die 31-Jährige sprach kurz vor ihrem großen Einsatz mit der APA über ihr politisches Selbstverständnis, das Ausstellen von Intimität und ihren Opa aus Jugoslawien.

APA: Sie sind nun etwas wie die offizielle Vertreterin Österreichs. Sehen Sie sich als politischen Menschen?

Paenda: Es gibt auch die politischen Statements der anderen Art. Beim Thema Gleichberechtigung sehe ich mich etwa durchaus als jemanden, der versucht, auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen und Aussagen zu setzen.

APA: Sie möchten aber keine dezidierten politischen Aussagen treffen...

Paenda: Egal was man sagt, wird man immer in ein Eck gestellt. Das ist meine persönliche Meinung, die ich als Privatmensch habe. Die muss ich nicht in die Welt hinaustragen.

APA: Haben Sie zu einem Satz wie „Ich bin stolz, Österreicherin zu sein“ einen Bezug?

Paenda: Ich bin eine Person, die sagt: Ich bin ein Mensch. Ich bin eine Frau. Ich habe viele Gene in mir. Ich kann sagen, dass ich Österreich ein wunderschönes Land finde. Ich lebe sehr gerne in Wien und liebe die Steiermark im Sommer. Also: Ich bin gerne aus Österreich.

APA: Das klingt nach einem Aber....

Paenda: Es gibt in mir auch andere Teile. Mein Opa kam etwa aus Jugoslawien - daher habe ich mein Temperament.

APA: Wie gehen Sie mit dem Faktor um, an einer riesigen Show teilzunehmen, die in einer politisch angespannten Lage von Israel statfindet?

Paenda: Natürlich hört man die Dinge, die passieren. Aber mein Credo ist: Ich möchte nicht Dinge nachreden, sondern mir die Sachen selbst anschauen. Ich will mir selbst ein Bild der Lage machen und mit den Menschen vor Ort sprechen. Man bekommt einfach ganz andere Einblicke.

APA: Wenn wir auf Ihren Song „Limits“ schauen, beschreiben Sie darin eine sehr persönliche Lebenskrise. Waren Sie damals am Boden?

Paenda: Die ersten Zeilen im Song bedeuten mir selbst so viel, dass es immer wieder abruft, wie es mir damals ging, wenn ich sie singe. Und solch einen Song schreibt man nicht, wenn man gerade ein glücklicher Mensch ist.

APA: Reißt es da nicht alte Wunden auf, wenn Sie derart Intimes jeden Abend mehrfach durchleben müssen?

Paenda: Wenn ich eine Entscheidung treffe, habe ich mir das vorher gut überlegt. Es war für mich schon die Frage, ob „Limits“ überhaupt auf mein neues Album soll - da war noch gar nicht die rede davon, dass ich ihn dann der „Weltbevölkerung“ präsentiere. Es sind aber immer genau die Songs, in denen man persönlich drinhängt, die dann Nummer 1 werden.

APA: Sie wollten mit ihrem neuen Album „Evolution II“ mehr in Richtung Mainstream gehen und stehen nun auf der gigantischen ESC-Bühne. Sind Sie nun angekommen?

Paenda: Ich gehe dahin, wohin das Universum mich bringt. Ich werde immer das machen, worauf ich gerade Lust habe. Clubkonzerte haben für mich etwas genauso Befriedigendes, wie vor einer unüberschaubaren Menschenmenge zu stehen. Ich bin schon in der Probe glücklich, wenn ich meine Songs performen kann. Ich war nie jemand, der sagte: Ich will Sängerin werden. Oder ich will ein Star werden. Meine Motivation ist, kreativ zu sein.

APA: Heute steht zunächst das Juryfinale an, dem morgen die eigentliche Halbfinalshow folgt. Glauben Sie, für Ihren Song sind die Experten wichtiger als die Zuschauer oder umgekehrt?

Paenda: Ich habe keine Ahnung. Ich hoffe einfach, dass ich so viele Menschen wie möglich erreiche - und wenn sie nicht für mich abstimmen, sollen sie zumindest über das Thema nachdenken.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

(A V I S O - APA-Live-Blog zum ESC unter http://go.apa.at/I7U8k6Gj)

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