Letztes Update am Mi, 15.05.2019 14:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Börse auf Kurs, Aufholpotenzial zu Europa



Wien (APA) - Die Wiener Börse sieht sich mit ihrer Infrastruktur gut positioniert, ortet aber noch Aufholpotenzial. Für die Belebung des Kapitalmarkts und die Stärkung der heimischen Aktionärsbasis seien unter anderem steuerliche Anreize, mehr Finanzbildung und Daseinsvorsorge mit Aktien und Mitarbeiterbeteiligung wichtig, so Vorstand und Aufsichtsratschef der Wiener Börse, Christoph Boschan und Heimo Scheuch.

Mit der Emissionstätigkeit ist man zufrieden und hofft auf weitere Börsegänge. Umsatz und Handelsvolumen und Ergebnis sind im Vorjahr gestiegen.

Es gebe in Österreich einige börsennotierte Unternehmen, die weltweite Bedeutung hätten und Weltmarktführer seien, betonte Börsen-Aufsichtsratchef, Wienerberger-CEO Heimo Scheuch, am Mittwoch beim Jahrespressegespräch. Jeder elfte Arbeitsplatz komme aus einem börsennotierten Unternehmen. Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung der börsennotierten Unternehmen beziffert die Wiener Börse mit 27,14 Mrd. Euro, die Langzeitrendite des Leitindex ATX mit 7 Prozent.

Mit den Maßnahmen der Regierung ist Scheuch zufrieden, sie hätten ein positives Umfeld geschaffen, das auch den Kapitalmarkt und den Finanzmarkt Wien betreffe. Man könnte aber noch mehr machen. Die Relation Bruttoinlandsprodukt zu Marktkapitalisierung sei in Österreich vom europäischen Durchschnitt noch weit entfernt. Im EU-Durchschnitt liegt das Verhältnis bei 69,4 Prozent, in Österreich bei 36,4 Prozent. Wichtig sei es, zu diesen europäischen Werten aufzuschließen. Der Kapitalmarkt solle forciert, die Firmen noch stärker unterstützt werden zu wachsen. Österreich sei ein gut entwickeltes Land, es liege aber viel zu viel Geld auf Sparbüchern und nicht-renditeträchtigen Anlageformen. Die Börse wäre hier ein sehr guter Mechanismus, um sich in der Daseinsvorsorge stärker zu betätigen. Ein stärkeres Investment in österreichische Aktien, sowohl von seiten der Bevölkerung als auch von Pensionskassen wäre auch ein wesentlicher Schritt zur Belebung des Marktes.

Bei der Steuerreform könnte man noch einiges tun etwa bei der Senkung der Wertpapier-KESt und der Behaltefrist. Börse-Vorstand Christoph Boschan betonte, dass man auf der Nachfrageseite einer Stärkung der zweiten betrieblichen und der dritten privaten Säule brauche und auch eine steuerliche Gleichbehandlung der Aktionäre sowie die Einführung einer Behaltefrist, innerhalb derer Kursgewinn nicht besteuert werden im Rahmen eines aktuell diskutierten Zeitraums zwischen ein und fünf Jahren. Die Wertpapier-KESt beträgt derzeit 27,5 Prozent, bei Spareinlagen sind es 25 Prozent.

Die Gesprächsbasis mit der Politik wird von der Börsenspitze als hervorragend beschrieben. Verwiesen wird auf erste wichtige Schritte wie die Mitarbeiterbeteiligung und Längerfristigkeit der Forderungen. In der Steuerreform sind keine Änderungen bei der Wertpapier-KESt vorgesehen. Für Scheuch ist die Steuerreform wieder eine Gebührenreform.

Auf der Angebotsseite müsse es Material geben, so Boschan. Der Zeitgeist gehe sicher nicht Richtung Privatisierungen, die man auch nicht fordere, man wünsche sich aber eine Angleichung an Europa. Wenn man das nicht möchte, gebe es immer noch die Chance den Free Float zu erhöhen. Den Staatsanteil auf 25 Prozent plus eine Aktie zurückzuführen hätte eine sofortige starke liquditätssteigernde Wirkung. Man müsse aber aufpassen, dass dieser Wohlstand nicht ins Ausland gehe. „Das darf man erst dann machen, wenn man sich sicher ist, dass man auch die Österreicher in ihrer Aktionärsbasis stärken will.“ Wenn man das nicht mache, werde der Wohlstand exportiert. Von den institutionellen Investoren an der Wiener Börse sind 76,5 Prozent internationale Anleger, 23,5 Prozent aus Österreich.

Zu den Neuerungen an der Wiener Börse zählen das KMU-Segments direct market plus zu Jahresbeginn mit acht Unternehmen, davon vier Börseneulingen. Mit Marinomed und Frequentis gab es heuer bereits zwei IPOs. Das erzeuge Aufmerksamkeit, es gebe eine Pipeline für weiter Börsengänge. Neu sind auch der Feiertagshandel an heuer sechs kirchlichen Feiertagen, sowie die Verlängerung des Verlängerung des Kurszettels. Es gehe so weiter wie man vor zwei Jahren begonnen habe, österreichische Unternehmen in die Welt zu tragen und die Welt nach Österreich zu bringen, so Boschan.

Der Umsatz der Wiener Börse AG stieg um 3,8 Prozent auf 50,7 Mio. Euro. Der Umsatz im Aktienhandel wuchs um 4,3 Prozent auf 68,9 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um 3,14 Prozent 26,3 Mio. Euro zu. Das Eigenkapital der Wiener Börse AG betrug per 31. Dezember 2018 31,4 Mio. Euro, der Jahresüberschuss 20,0 Mio. Euro. In der Wiener Börse waren per 31. Dezember 2018 insgesamt 96 Mitarbeiter tätig. Die Holdinggesellschaft der Wiener Börse AG, CEESEG AG, unter deren Mantel auch die Beteiligung an der Börse Prag enthalten ist, steigerte die Umsatzerträge von 65,3 auf 68,92 Mio. Euro, das operative Konzernergebnis von 33,87 Mio. auf 36,04 Mio. Euro.

2018 schütteten alle ATX-Unternehmen für 2017 eine Dividende aus - insgesamt mit 2,8 Mrd. Euro um fast ein Drittel mehr als im Jahr davor. Die durchschnittliche Dividendenrendite belief sich 2018 auf 3,6 Prozent.

Der Handel an der Wiener Börse ist seit 20 Jahren digital. Im Jänner 2019 wurde für alle Wertpapiere den Wechsel auf XETRA T7, eines der modernsten Handelssysteme weltweit, vollzogen. Durch die technologische Entwicklung ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Wertpapieraufträgen heute 500-mal schneller als vor 20 Jahren. Während zum Start der XETRA Handelsplattform im Jahr 1999 im Tagesdurchschnitt rund 50.000 Transaktionen abgewickelt wurden, werden heute börsentäglich etwa 6,5 Millionen Transaktionen verarbeitet.

~ WEB http://www.wienerborse.at ~ APA325 2019-05-15/14:01




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