Letztes Update am Mi, 15.05.2019 15:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sotschi zeigte sich Van der Bellen als Stalin- und Putinmetropole



Sotschi/Wien (APA) - Vor ihrem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sind Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Delegation am Mittwoch eine kurze Weile durch Sotschi spaziert. Lokale Gesprächspartner betonten dabei auch die Verdienste von Sowjetdiktator Josef Stalin (1879-1953) und Putin für die Schwarzmeermetropole.

„Man bezeichnet Josef Stalin als Taufpaten von Sotschi und auf seinen persönlichen Erlass hin wurde dieses Theater gebaut“, erzählte dem Bundespräsidenten eine Mitarbeiterin des 1937 im Stalin-Empirestil errichteten Wintertheaters. Mit besonderer Ehrfurcht sprach sie von Stalins Loge, die über einen eigenen Eingang und eine direkte Leitung in den Kreml verfüge. „Es gab auch besondere Maßnahmen, die die Sicherheit des ‚Völkervaters‘ gewährleisten sollten“, sagte sie. Eine kurze Gesangs- und Tanzeinlage eines Kosakinnenchors, der eigens für den Gast aus Österreich aufgetreten war, zeigte sich anschließend ebenso in einer national-orientierten Ästhetik. Passend war auch eines der ausgestellten Exponate im Foyer des Theaters eine Stalin-Büste.

Verweise auf Stalins Religionspolitik während des Zweiten Weltkriegs gab es kurze Zeit später in Sankt-Michaels-Kathedrale, einer der ältesten orthodoxen Kirchen in der russischen Schwarzmeerregion. Bevor der Bundespräsident, seine Gattin Doris Schmidauer und Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) jeweils Kerzen entzündeten, erzählte ein Priester den österreichischen Gästen von der Schließung der Kirche 1934. Anschließend sei die Kathedrale jedoch 1944 wieder eröffnet worden und jahrzehntelang der einzige Ort in Sotschi gewesen, wo orthodoxe Christen beichten konnten, berichtete er.

Bei einem abschließenden kurzen Abstecher in den mondänen Hafen der Schwarzmeermetropole sprach Bürgermeister Anatoli Pachomow schließlich noch deutlich Präsident Putins Bedeutung für Sotschi an. Dank Putins Wunsch, sich auf die Olympischen Winterspiele 2014 vorzubereiten, seien hier neue Objekte und viel Infrastruktur errichtet worden, lobte Pachomow. Nach einem kurzen Einwurf von Außenministerin Kneissl, die an die Rolle von Residenzstädten für Kaiser Karl den Großen erinnerte, führte der Bürgermeister unbeirrt fort: „Wladimir Wladimirowitsch hat unglaublich viel für diese Stadt getan - dafür, dass sie ein ganzjähriger Urlaubsort wurde“, sagte er.

Dem totalitären kommunistischen Regime in der Sowjetunion unter Stalin (1922-1953) fielen Millionen Menschen zum Opfer. In Russland wird er aber bis heute - insbesondere als „Sieger“ im Zweiten Weltkrieg - von vielen verehrt.




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