Letztes Update am Mi, 15.05.2019 16:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Praevenire - Intransparenz - Übernationale Kosten-Nutzen-Beurteilung



Seitenstetten (APA) - KIeine Staaten wie Österreich haben niemals die Marktmacht, um die Preise für High-Tech-Medikamente wirklich mitgestalten zu können. Hier könnten nur EU-weite Strategien echte Wirkung zeigen.

Health Technology Assessment-Expertin Claudia Wild (Ludwig-Boltzmann-Institut) wünscht hier Kosten-Nutzen-Abschätzungen für mehrere Länder. Österreich könnte sich hier beispielsweise an Deutschland ankoppeln.

Außerdem seien auch Therapieschemata, welche bei Misserfolgen ein Behandlungsende festlegen, zu entwickeln. „Wir brauchen Einstiegs- und Abbruchkriterien für Therapien. Abbruchkriterium, das ist in diesem Land ein absolutes Tabuwort“, sagte Claudia Wild. Die Preise für die CAR-T-Zelltherapien könnten nicht nachhaltig sein. Man müsse endlich schon in den Jahren der Entwicklung solcher Therapien mit den Gesprächen über Anwendungsstrategien und Preise beginnen. Verhandelt werden von der Pharmaindustrie derzeit vor allem Modelle, bei denen die Behandlungszentren bei einem Misserfolg der Therapie zu einem bestimmten Zeitpunkt, Rabatte leisten („Pay by Performance“).

Allzu sehr dürfte in diese Bereich niemand den sprichwörtlichen Bogen überspannen. Denn die CAR-T-Zelltherapie ist in ihrer Technik nicht an die Pharmaindustrie gebunden. „So eine Therapie kann man im Spital herstellen. Man braucht eine gute Zellseparationseinheit (zur Isolierung der verwendeten T-Immunzellen; Anm.), die man auch anderweitig verwenden kann. Die Geräte kosten 150.000 Euro“, sagte Wolfgang Ibrom, Leiter der Anstaltsapotheke des Krankenhauses der Elisabethinen in Linz. Es könnten sich aber bei Eigenherstellung der CAR-T-Zellen rechtliche Fragen stellen.

Freilich, sowohl die Erfahrung vor einigen Jahren mit den revolutionären und die Krankheit zu an die hundert Prozent ausheilenden Hepatitis C-Medikamenten als auch mit den seit kurzem zur Verfügung stehenden neuen Krebs-Immuntherapien deuten auf langfristig fallende Preise hin. Gernot Idinger, Anstaltsapotheker und Chef-Einkäufer des oberösterreichischen Krankenhausträgers GESPAG, erklärte: „Wir haben bei den Checkpoint-Inhibitoren (Krebs-Immuntherapie; Anm.) eine Reduktion der Preise um rund 50 Prozent gesehen, seitdem wir mit ihnen bei der Therapie von Melanom-Patienten begonnen haben.“

Auf der anderen Seite fördert die Verweigerung solcher innovativer Behandlungsmöglichkeiten für Schwerstkranke im Grunde den Einzelnen entwürdigende „Übersiedlung“ von einem Bundesland zum nächsten, wo die Therapie erhältlich ist. Der oberösterreichische Lungenspezialist Rainer Kolb (Klinikum Wels-Grieskirchen) berichtete am Mittwoch davon, dass man ihm in der Steiermark berichtet hätte, wonach diese Behandlung für Lungenkrebspatienten in den KAGES-Spitälern nicht verordnet werden dürfe. „Das ist eine Katastrophe.“ Laut seinem Fachkollegen Errhalt habe das Patientenströme in Nachbarbundesländer in Gang gesetzt.




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