Letztes Update am Do, 16.05.2019 10:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Auf Mithäftlinge eingestochen: 24-Jähriger in Krems vor Gericht



Krems (APA) - Wegen zweifachen Mordversuchs ist ein 24-Jähriger am Donnerstag in Krems vor einem Geschworenengericht gestanden. Dem Mann wird vorgeworfen, im August 2018 in der Justizanstalt Stein zwei Mithäftlinge mit einer selbst gebauten Stichwaffe attackiert zu haben. Der Beschuldigte bekannte sich nicht schuldig, sein Verteidiger sprach davon, dass höchstens eine Körperverletzung „stehen bleiben könne“.

Der Tatverdächtige ist in Österreich laut Anklageschrift bereits vierfach vorbestraft und verbüßt derzeit eine 21-monatige Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung und gefährlicher Drohung in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Bis August des Vorjahres war der Beschuldigte in der Justizanstalt Stein - so wie beide Opfer. Laut Anklageschrift ist er marokkanischer Staatsbürger, in der Hauptverhandlung gab er laut Dolmetscherin an, Tunesier zu sein.

Bereits in den Tagen vor der Tat soll es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen einem der späteren Opfer und dem 24-Jährigen gekommen sein. Laut Anklage wurde immer wieder gestritten, weil sich der Beschuldigte Tabak borgte und der Mithäftling behauptete, der 24-Jährige habe deshalb Schulden bei ihm. Verteidiger Martin Mahrer sprach davon, dass es nicht nur um Tabak, sondern „sehr wohl um Schulden aus Suchtgiftgeschäften“ gegangen sei.

Auch am 9. August war die Stimmung aufgeheizt. Bereits am Vormittag soll der Angeklagte dem Mithäftling unter anderem gedroht haben, ihm das Gesicht mit einem Messer zu zerschneiden. Der Tunesier muss sich deshalb auch wegen gefährlicher Drohung verantworten.

Am Nachmittag desselben Tages soll der 24-Jährige jenen Haftraum gestürmt haben, in dem sich die beiden späteren Opfer und zwei weitere Häftlinge befanden. Mit dem laut Anklage selbst gebauten Messer - ein Griff und eine Stanley-Messerklinge mit einer Länge von vier bis fünf Zentimetern - soll er auf seinen Kontrahenten mehrmals eingestochen haben. Der Mann erlitt Kopf-, Hals- und Bauchverletzungen. Während der Attacke soll der Beschuldigte mehrmals „ich bringe dich um!“ geschrien haben. Ein zweiter Häftling kam dem Opfer zu Hilfe und wollte den Angreifer wegzerren. Daraufhin soll der Verdächtige auch ihm mehrmals in den Kopf und den Halsbereich gestochen haben.

Der Beschuldigte soll die Attacke erst beendet haben, nachdem ihm das erste Opfer mit einem Sessel aus dem Haftraum auf den Rücken geschlagen hatte. Die im Raum Verbliebenen alarmierten laut Anklage die Justizwache.

Der 24-Jährige bekannte sich nicht schuldig. „Vielleicht kann ein kleineres Delikt, eine gefährliche Drohung oder eine Körperverletzung stehen bleiben“, sagte Mahrer dazu. Tötungsvorsatz habe der Beschuldigte keinen gehabt.




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