Letztes Update am Do, 16.05.2019 15:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Helaba und Dekabank sondieren Fusion, Widerstand regt sich - Kreise



Hamburg (APA/Reuters) - Die deutsche Landesbank Helaba und das Wertpapierhaus Dekabank loten Insidern zufolge eine engere Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion aus. Es handle sich um ein vorsichtiges Abtasten, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Es sei jedoch offen, ob es wirklich zu einem Durchbruch komme und damit vielleicht zu einem ersten Schritt hin zu einem von Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis angestrebten Spitzeninstitut des Sektors. Entscheidend sei, wie sich die regionalen Sparkassenverbände als Deka-Eigner positionierten, betonten die Insider. Während die Deka zu 100 Prozent den Sparkassen gehört, sind bei der Helaba neben den öffentlich-rechtlichen Instituten noch die Länder Hessen und Thüringen insgesamt mit rund zwölf Prozent beteiligt. Dekabank und Helaba lehnten eine Stellungnahme ab.

Als Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) will Schleweis die Kräfte der Gruppe bündeln. „Wir werden leistungsfähiger, wenn wir eine Sparkassenzentralbank haben“ sagte er beim Sparkassentag in Hamburg. Dies gelte vor allem für das Mengengeschäft der Landesbanken und dort, wo man im internationalen Wettbewerb stehe. Beobachter gehen davon aus, dass die Konsolidierung im öffentlich-rechtlichen Sektor dort einfacher ist, wo die Sparkassen alleinige oder Mehrheitseigentümer sind. Die Deka ist laut Schleweis ein „sehr attraktives“ Haus. „Sie wird für die künftige Sparkassen-Zentralbank, egal in welcher Konstellation, eine starke Rolle spielen“, hatte Schleweis jüngst im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt.

Die Deka und die Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) hatten bereits vor einigen Jahren ein Zusammengehen sondiert. Das war aber am Widerstand der Regionalverbände gescheitert. „Wir wollen keine Länder in der Deka haben“, sagte nun ein Sparkassen-Manager zu einer möglichen Fusion. Hier müsse man sich auf eine Lösung einigen, wie man die Länder herauskaufen oder einen Interessenausgleich schaffen könne. Ein weiterer Insider sagte, für ein Zusammengehen gebe es keine Mehrheit. An anderer Stelle wurde darauf verwiesen, dass die DekaBank allen Sparkassen gehöre, nicht nur den hessischen und thüringischen. „Das ist das Problem.“ Starke Landesbank-Konkurrenten aus dem Süden würden mit Argusaugen gucken, ob und wie die Helaba gestärkt würde. „BayernLB und LBBW schauen da drauf.“ In Finanzkreisen hieß es: „Das ist kein Selbstläufer.“

In der Sparkassenfamilie gilt es als offenes Geheimnis, dass die hessisch-thüringischen Sparkassen, die die Helaba mit fast 70 Prozent weitgehend kontrollieren, die Landesbank gerne mit der Deka zusammenbringen würden. „Der Grandke will das“, sagt ein Manager. Gerhard Grandke ist Präsident des hessisch-thüringischen Sparkassenverbands und Verwaltungsratschef der Helaba. Grandke hatte jüngst öffentlich betont, für ein Spitzeninstitut brauche man eine „Koalition der Willigen“ und sein Verband wolle sich „konstruktiv darauf einlassen“.




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