Letztes Update am Fr, 17.05.2019 05:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Die Kraft von Afrikas Sonne nutzen mit steirischem Know-how



Johannesburg (APA) - Wo wenn nicht in Afrika, sollte die Kraft der Sonne zur Energiegewinnung genutzt werden. Die Sonne scheint wesentlich mehr als in Europa, dennoch wird die Energie der Sonne viel weniger genutzt. Die Länder südlich der Sahara haben zum Großteil massive Stromversorgungsprobleme. Das von der ADA finanzierte Projekt Soltrain bringt steirisches Know-how in die Region.

Nur 24 Prozent der Menschen südlich der Sahara haben Zugang zu Elektrizität. Der meiste erzeugte Strom kommt aus Kohlekraftwerken. „Zuerst wird Kohle verbrannt, um Strom zu erzeugen, dann mit dem Strom wieder Wasser erwärmt, das ist aus Energiesicht nicht der beste Weg“, erklärt Werner Weiss, Geschäftsführer von AEE Intec aus Gleisdorf in der Steiermark bei einem Besuch in Johannesburg. Deshalb macht er sich für Solarthermie stark. Anders als bei der komplizierteren und teureren Photovoltaik-Technologie wird Sonnenlicht nicht in Strom verwandelt, sondern die Sonnenwärme direkt für die Wärmeerzeugung genutzt.

Seit neun Jahren versucht das Projekt Soltrain das Potenzial der Technologie in den sechs Ländern Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botswana, Lesotho und Mozambique bekannt zu machen. „Zunächst ging es darum, Bewusstsein zu schaffen“, erzählt Weiss. „Denn wenn man von Solarenergie spricht, denken auch in Österreich nach wie vor die meisten Menschen an Strom, aber der Strom macht nur 20 Prozent des weltweiten Energiebedarfs aus, aber 50 Prozent wird für Wärme - also Heizung und Kühlung sowie Warmwasseraufbereitung - verwendet, die 30 restlichen Prozent für Transport“, erklärt er. Daher könnte ein breiter Umstieg auf thermische Solaranlagen zur Warmwasseraufbereitung den Elektrizitätssektor massiv entlasten, so die Idee von Soltrain. Zudem könnte CO2-Emission reduziert werden.

In erster Linie geht es bei dem Projekt um Wissenstransfer. Seit 2009 hat das steirische Institut rund 3.000 Menschen in der Region in 111 Kursen in Planung, Errichtung und Qualitätskontrolle unterrichtet. Die ausgebildeten Installateure und Techniker haben im Zuge des Projekt insgesamt 326 Anlagen in den sechs Ländern installiert - von ganz kleinen Systemen von zwei Quadratmeter auf kleinen Einfamilienhäusern, mittelgroßen Anlagen für soziale Einrichtungen bis hin zu großen 600 Quadratmeter großen Anlagen zur gewerblichen und industriellen Produktion, darunter eine Brauerei und eine Gerberei.

Damit soll gezeigt werden, dass die Technologie auch für die gewerbliche Produktion nutzbar und ökonomisch sinnvoll sein kann. Der jährliche Solarertrag aller errichteten Anlagen beträgt 1,83 Millionen Kilowattstunden (kWh). Das entspricht einem eingesparten CO2-Ausstoß von insgesamt 1.222 Tonnen.

Während bei sozialen Einrichtungen bis zu 50 Prozent des Errichtungskosten von dem Projekt kofinanziert werden, sind es bei kommerziellen Projekten bis zu 30 Prozent. Die Austrian Developement Agency (ADA) hat bisher 7,98 Millionen Euro für das Soltrain-Projekt zur Verfügung gestellt, bis 2022 wurden weitere 2,5 Millionen Euro zugesagt. Wichtig sei, dass das Projekt auf die Anforderungen jedes einzelnen Landes eingehe, sagt der ADA-Chef Martin Ledolter.

Einer der Vorreiter in Sachen Klimaschutz ist Namibia. Laut Regierungsplänen sollen bis 2030 mindestens 70 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien stammen. Hier entstanden im Zuge des Projekts 123 Solaranlagen. Unter anderem wurden im Zuge eines sozialen Wohnbauprogramms 62 kleine Einfamilienhäuser mit solarthermischen Anlagen ausgestattet.

Um Entscheidungsträgern den Nutzen zu demonstrieren wurde auch mehrere Messanlagen installiert, um die Solarerträge zu messen. Dazu wurden Kooperationen mit lokalen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Berufsschulen in den verschiedenen Ländern eingegangen. „Wir müssen zeigen, dass die Technologie funktioniert, nachhaltig und langfristig und auch dass sich die Menschen dadurch was ersparen“, so Weiss.

Während die Kernkomponenten wie die Kollektoren - unter anderem aus Österreich - importiert werden, werden die Speicher im Land gefertigt. Auch die Installation wird von lokale Unternehmen übernommen. Der gesamte Prozess wird von Soltrain begleitet und einer Qualitätskontrolle unterzogen. Diese sei besonders wichtig, damit die Anlagen lang funktionieren. „Arme Leute können sich billige Technologie nicht leisten“, meint Weiss.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist der Hauptantrieb für den Steirer, der seit mehr als zwanzig Jahren in Afrika engagiert ist. Aus seinem Protest gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf 1978 zog er die Erkenntnisse: „Gegen etwas zu kämpfen kostet einfach viel mehr Kraft, es ist viel lustiger für etwas zu kämpfen“. Die ersten Solaranlagen baute er zunächst in der Garage selbst, dann organisierte er Selbstbaugruppen. Daraus entstand das Institut AEE Intec, das heute fast 90 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit dem Projekt Soltrain bleibt er noch mindestens drei Jahre im südlichen Afrika engagiert. Am Mittwoch wurde das Projekt mit dem steirischen Landespreis Energy Global Styria Award als bestes internationales Projekt ausgezeichnet. „Der Preis ist eine tolle Anerkennung der Arbeit der ganzen Gruppe hier“, freute sich Weiss. Gemeinsam mit den Projektpartner aus den sechs Ländern wurde der Erfolg gefeiert.

(Hinweis: Dieser Bericht entstand im Rahmen einer Reise, die von der ADA finanziert wurde.)




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