Letztes Update am Fr, 17.05.2019 06:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Polnisches Parlament verschärfte Haftstrafen für Kindesmissbrauch



Warschau (APA/AFP) - Als Reaktion auf einen Dokumentarfilm über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester hat Polen sein Strafgesetzbuch verschärft. Das Parlament in Warschau verabschiedete die Neuregelungen, die unter anderem eine Höchststrafe von 30 Jahren Gefängnis für Kindesmissbrauch vorsehen, am Donnerstag mit großer Mehrheit.

Bei besonders schweren Missbrauchsfällen soll auch die Verjährungsfrist abgeschafft werden. Der Gesetzesentwurf war von der rechtsnationalen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) ins Parlament eingebracht worden, die normalerweise ein enger Verbündeter der katholischen Kirche in Polen ist. 263 Abgeordnete stimmten dafür. Es gab nur drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Die am Samstag vergangener Woche bei YouTube veröffentlichte Dokumentation hatte in Polen für große Empörung gesorgt. Der zweistündige Film des Journalisten Tomasz Sekielski mit dem Titel „Sag es niemandem“ wurde mittlerweile fast 18 Millionen Mal angeschaut.

Die Dokumentation, die teilweise mit versteckter Kamera gedreht wurde, zeigt Begegnungen von Opfern pädophiler Priester mit ihren einstigen Peinigern. Einige inzwischen sehr alte Priester gestehen den Missbrauch, bitten um Vergebung und bieten manchmal finanzielle Entschädigung an.

Dokumentiert wird auch, wie Priester, die wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern beschuldigt oder sogar verurteilt wurden, in andere Gemeinden versetzt wurden, wo sie weiter mit Kindern zu tun hatten.

Die Dokumentation schlug so hohe Wellen, dass PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski bereits am Sonntag Änderungen am Strafgesetzbuch ankündigte. Wer sich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig mache, müsse „besonders hart bestraft“ werden, egal ob es sich um Priester oder Prominente handle.

Der Primas von Polen, Erzbischof Wojciech Polak, bat um Vergebung „für alle Verletzungen, die durch Männer der Kirche zugefügt wurden“. Er kündigte am Donnerstag zudem die Einrichtung eines „Solidaritätsfonds“ ein, um Opfern „konkrete Hilfe“ zukommen zu lassen. Er betonte aber, dass es sich nicht um einen Entschädigungsfonds handle.




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