Letztes Update am Fr, 17.05.2019 06:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Panda-Diplomatie: Großer Bahnhof für Chinas Parlamentschef in Wien



Wien (APA) - Die parlamentarische Zusammenarbeit steht wohl nicht im Zentrum der Beziehungen zwischen der Autokratie China und der Republik Österreich. Trotzdem bietet Österreich am Montag und Dienstag die ganze Staatsspitze auf, um Parlamentspräsident Li Zhanshu in Wien zu empfangen. Es geht um Panda-Diplomatie: Aus den Händen Lis übernimmt der Tiergarten Schönbrunn als Leihgabe das Pandamännchen Yuan Yuan.

„Die Pandas gelten mittlerweile auch als Symbol der Freundschaft zwischen der Republik Österreich und der Volksrepublik China“, betonte Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Vorfeld des Besuchs gegenüber der APA. Er freue sich sehr über den Panda-Zuwachs im Tiergarten Schönbrunn. „Ich hoffe, Yuan Yuan wird sich bei uns wohlfühlen“, sagte der Bundespräsident, der Li am Montagvormittag (10.00 Uhr) gemeinsam mit Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) in der Hofburg empfängt.

Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) lassen es sich danach nicht nehmen, mit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) der Panda-Übergabe um 11.30 Uhr im Kaiserpavillon des Tiergartens beizuwohnen. Eigentlich ist sie inszeniert, denn Yuan Yuan befindet sich bereits seit einem Monat in Wien. Zwei Mitarbeiter des Tiergartens waren am Palmwochenende nach China gereist, um das Tier nach Wien zu bringen. Allerdings wird es der Öffentlichkeit am Montag erstmals möglich sein, einen Blick auf ihn zu erhaschen.

Der am 23. August 1999 Geborene wurde als neuer Partner für die 18 Jahre alte Yang Yang gewählt, als Ersatz für den im Dezember 2016 an Krebs verstorbenen Long Hui. Schönbrunn ist einer der erfolgreichsten Zoos bei der Zucht von Pandas. Yang Yang und Long Hui hatten seit ihrer Übersiedlung nach Wien im Jahr 2003 vier Mal für Nachwuchs gesorgt, zuletzt waren es sogar Zwillinge. Diese verabschiedete Van der Bellen im vergangenen Dezember persönlich nach China. Denn auch wenn sie in Wien geboren werden, bleiben alle Pandas im Eigentum Chinas.

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Bundeskanzler Kurz hatte erst Ende April bei seinem China-Besuch eine Vereinbarung über die Intensivierung der Zusammenarbeit des Tiergartens Schönbrunn mit der China Wildlife Conservation Association (CWCA) zum Schutz des Großen Pandas unterzeichnet. Im April 2018 besuchten Kurz und Van der Bellen im Rahmen des großen Staatsbesuches des Bundespräsidenten einen Panda-Park. Van der Bellen bat China damals um einen neuen Partner für Yang Yang.

Li Zhanshu ist Vorsitzender des 150-köpfigen Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses und damit eigentlicher Parlamentspräsident Chinas, da das Megaparlament mit seinen 3.000 Mitgliedern nur einmal im Jahr tagt. In der protokollarischen Rangordnung des Landes steht er an dritter Stelle hinter Präsident Xi Jinping und Premier Li Keqiang.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) wird seinem Gast am Montagnachmittag die Kaiserliche Schatzkammer zeigen, danach trägt er sich im Palais Pallavicini in das Gästebuch des Parlaments ein. Am Dienstagvormittag wird ihn der Präsident des Bundesrates, Ingo Appé (SPÖ/Kärnten), im Palais Epstein begrüßen. Danach ist ein Termin bei Bundeskanzler Kurz (10.00 Uhr) geplant, an den Pressestatements anschließen sollen.

Kurz hatte China erst Ende April einen fünftägigen Besuch abgestattet, bei dem er auch Präsident Xi und Premier Li traf. Anlass der Reise war eine Großkonferenz über das chinesische Investitionsprogramm Neue Seidenstraße. Kurz sagte, dass Österreich gut beraten sei, seine Partnerschaft zu China zu stärken. Dieses sei auf dem Weg zur größten Volkswirtschaft der Welt und trete entsprechend selbstbewusst auf.




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