Letztes Update am Fr, 17.05.2019 13:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Das kann sich nicht ausgehen“: Weiter zu wenige Hebammen in Wien



Wien (APA) - In Wien herrscht weiterhin ein Hebammenmangel: Derzeit gibt es 23 Kassenhebammen und 440 Wahlhebammen, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Demgegenüber stehen rund 20.000 Geburten pro Jahr in der Bundeshauptstadt. „Das kann sich nicht ausgehen“, kritisierten Vertreterinnen des Berufsstandes am Donnerstag in einem Pressegespräch anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Hebammenzentrums.

Auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert hat - 2016 versahen nur 17 Kassenhebammen ihren Dienst -, die Versorgungslage ist noch immer prekär: „Eigentlich muss man schon in dem Moment, wo man erfährt, dass man schwanger ist, mit der Suche nach einer Hebamme beginnen“, weiß Hebamme Martina Koll-Braun. In Hinblick auf die bevorstehenden Sommermonate berichtete sie außerdem, dass es gerade in der Ferienzeit besonders schwer sei, eine Geburtshelferin zu finden.

Die Situation sei aber nicht nur im privaten Rahmen wenig optimal - also für Schwangere, die bei der Geburt „ihre“ Hebamme an der Seite wissen möchten -, sondern auch in den Spitälern. Eine hohe Fluktuation und viele Überstunden stünden dort an der Tagesordnung, hieß es. „Eine Eins-zu-Eins-Betreuung wäre das Recht jeder Frau, aber mit so wenigen Hebammen ist das nicht durchführbar“, bedauerte auch Ulrike Ploil, Obfrau des Hebammenzentrums.

Doch selbst wenn es genug Frauen und Männer gäbe, die den Hebammenberuf anstreben, so erweist sich die Ausbildung als Nadelöhr: Denn pro Jahr werden nur 30 Personen für den Lehrgang aufgenommen. Dieser dauert drei Jahre und beinhaltet viel Praxis, so Koll-Braun. Und genau das sei einer der Gründe, warum die Zahl der Ausbildungsplätze nicht so ohne weiteres aufgestockt werden könne: Es gebe nicht ausreichend Praktikumsplätze.

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Hebammen begleiten werdende Mütter - und auch werdende Väter - durch die Schwangerschaft, bei der Geburt und unterstützen in den ersten Wochen, wenn das Baby da ist. Seit geraumer Zeit gibt auch es die Möglichkeit, im Rahmen des Mutter-Kind-Pass-Programmes eine von der Krankenkasse finanzierte Hebammenberatung in Anspruch zu nehmen. Ein wichtiger Hinweis Koll-Brauns: Dies gilt nur zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche.

Ohne Kassenvertrag kann der Dienst einer Hebamme durchaus kostspielig werden: Ein Hausbesuch schlägt sich mit circa 90 Euro zu Buche (wobei die Krankenkasse je nach Leistung einen Teil rückerstattet) eine Geburtsbegleitung - sprich die Hebamme ist auf Abruf und unterstützt während der Geburt im Kreißsaal - kostet um die 1.500 Euro. Auch Hausgeburten sind mit Hebammenunterstützung möglich. Hier wird ein Teil der Kosten von der Krankenkasse refundiert.

Koll-Braun wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es im Hebammenzentrum ein von einer Privatstiftung finanziertes Projekt gibt, das kostenlose Betreuung für schwangere Frauen bzw. nach der Geburt des Kindes anbietet. Im Fokus des „Pilotinnenprojekts“ stehen sozial bedürftige Frauen und Alleinerzieherinnen. Im Vorjahr haben 152 Frauen das Angebot in Anspruch genommen.

Das Hebammenzentrum - dabei handelt es sich um einen Verein freier Hebammen - befindet sich in der Lazarettgasse im 9. Bezirk. Es finden dort Beratungen durch eine Ärztin, Hebammen, Sozialarbeiter, Physio- und Psychotherapeuten statt. Ebenso werden Workshops und Kurse angeboten. Das Spektrum reicht von Schwangerenturnen über Babytreffs bis hin zu Vätervorträgen. Außerdem werden Hebammen für die Geburtsbegleitung bzw. für die Nachbetreuung vermittelt.

Die Einrichtung wurde 1989 gegründet, heuer wird das 30-Jahr-Jubiläum mit speziellen Veranstaltungen begangen, berichtete Geschäftsführerin Regina Zsivkovits. Heute Abend steht ein Festakt im Festsaal der Bezirksvorstehung Alsergrund auf dem Programm. Für den morgigen Samstag ist ab 14.00 Uhr ein Jubiläums-Picknick mit Puppentheater und Kinderchor im Hof 3 des Alten AKHs angekündigt.

(S E R V I C E - www.hebammenzentrum.at)




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