Letztes Update am Sa, 18.05.2019 06:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


SPÖ-Altbürgermeister Stingl feiert 80er: Immer noch für Graz aktiv



Graz (APA) - Der langjährige Grazer SPÖ-Bürgermeister Alfred Stingl feiert Ende Mai seinen 80. Geburtstag. Der beliebte Politiker, der dem Ruf nach Wien nie folgte, begeht den Tag mit Sohn und Tochter. Die Stadt Graz plant eine Überraschung. Die größte Freude macht man Stingl aber in Sachen Menschenrechte - wenn z. B. Österreich eine Menschenrechtsregion würde wie Graz seit 2001 „Menschenrechtsstadt“ ist.

Alfred Stingl wurde am 28. Mai 1939 in Graz geboren. Nach einer - für einen Sozialdemokraten damals geradezu klassischen - Schriftsetzerlehre wurde der 1962 Landessekretär der Jungen Generation der SPÖ. 1968 holte ihn der damalige Bürgermeister Gustav Scherbaum in den Gemeinderat, fünf Jahre später wurde Stadtrat für das Jugendwesen und im Jahre 1982 Vizebürgermeister, mit den prägenden Agenden des Sozial- und Gesundheitsbereichs.

Seit 10. Jänner 1985 war Alfred Stingl Bürgermeister der zweitgrößen Stadt Österreichs. Mit dem legendären ÖVP-Chef Erich Edegger leitete er u.a. eine moderne Verkehrspolitik ein. Er gehörte u.a. dem SPÖ-Bundesparteivorstand an, war Präsidiumsmitglied des „steirischen herbst“ und Aufsichtsratsvorsitzender der Grazer Messe International. Der überzeugte Europäer war nie dem Ruf nach Wien, etwa Bruno Kreiskys, gefolgt: „Es wäre sehr ehrenvoll gewesen, aber etwas kommunalpolitisch zu bewirken ist schöner und befriedigender“, sagte Stingl einmal.

Von den Höhen der Politik - weitgehend beliebter und außer Streit stehender Bürgermeister zu sein - hatte der Jubilar 1998 eher die Tiefen durchmessen: Das SPÖ-Debakel am 25. Jänner 1998 machte Alfred Stingl schwer zu schaffen, die Partei stürzte auf knapp 30 Prozent ab. Allgemein war sein Rücktritt noch am Wahlabend erwartet worden. Dass er trotz des missglückten Vorzugsstimmen-Wahlkampfes blieb, wurde ihm auch SPÖ-intern zum Vorwurf gemacht.

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Den SPÖ-Vorsitz gab Stingl als Konsequenz einige Monate später ab, Bürgermeister blieb er noch bis 2003 - in diesem Jahr war Graz Europäische Kulturhauptstadt. Schon zuvor hatte u.a. auf sein Betreiben hin die UNESCO der Altstadt den Titel Weltkulturerbe verliehen. In seine Ära fiel auch der Wiederaufbau der 1938 von den Nazis niedergebrannten Grazer Synagoge. Auf den einstimmigen Gemeinderatsbeschluss dazu ist Stingl heute noch stolz.

Zu seinem Bürgermeister-Nachfolger Siegfried Nagl (ÖVP) hat er ein freundschaftliches, vertrautes Verhältnis. 2003 übernahm Wahlsieger Siegfried Nagl die Lenkung der Stadtgeschicke - Stingl war die Lenkung seiner Nachfolge in der SPÖ einigermaßen entglitten. Nagl regiert seither in wechselnden Koalitionen. Die SPÖ rutschte in den seitherigen Wahlgängen auf zuletzt 2017 knapp zehn Prozent ab und ist nur mehr fünftstärkste Partei.

Der kulturaffine Stingl ist durch seine freundliche, ruhige und besonnene Art bekannt und respektiert. In den Grazer Öffis, die er überzeugt nutzt, wird er immer noch als „Herr Bürgermeister“ angesprochen. Seine Frau Eli pflegte er nach ihre Schlaganfall jahrelang mit hohem persönlichen Einsatz bis zu ihrem Tode im März 2018, ließ aber zugleich nicht in seinem Engagement für die Stadt, für ihre Bürger, für Menschenrechte und für schlechter gestellte Personen nach: Seit 2004 ist er mit der Kolumne „Von Mensch zu Mensch“ für die Wochenzeitung „Grazer Woche“ tätig, mittels der er sich um Verbesserungen in prekären Situationen kümmert.

2012 erhielt er den Kurt-Schubert-Preis: „Alfred Stingl sorgte stets für Gastfreundschaft allen Weltreligionen gegenüber“, begründeten das Forum für Weltreligionen, der ökumenischen Arbeitsstelle für interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit mit Sitz in Wien, die Verleihung. Der Altbürgermeister pflegt auch regelmäßigen Kontakt mit dem Dalai Lama. In der Stadt ist er oft zu sehen, ob als Demonstrant im Rahmen von „Lichter gegen rechts“ oder wie Mitte Mai mit Erika Pluhar, als sie ein Buch über das von der Welt vergessene Volk, die westafrikanischen Saharauis, präsentierten.

Zu seinem Geburtstag dürfte es auf jeden Fall seine Lieblingssüßspeise geben - Apfelstrudel. Einen großen Wunsch hat er seit einiger Zeit, den ihm Landes- und Bundespolitik erfüllen könnten: Dass der Landtag analog zum Status „Menschenrechtsstadt Graz“ auch den Beschluss zur Schaffung einer „Menschenrechtsregion Steiermark“ fassen könnte. Gegenüber der APA zeigte er sich diesbezüglich guten Mutes: „Das wäre alleine schön symbolisch schön“, sagte Stingl. Und in weiterer Folge könnten sich andere Bundesländer anschließen.

( S E R V I C E - Fotos von Alfred Stingl sind im AOM abrufbar.)

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA024 2019-05-18/06:00




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