Letztes Update am Sa, 18.05.2019 16:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Regierungskrise - Message Control außer Kontrolle



Wien (APA) - Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz ist mit der Regierungskrise erstmals auf eine harte Probe gestellt. Er ist vor eineinhalb Jahren angetreten, um Österreich nach vorne zu bringen, und er hat den Österreichern erklärt, dass das am besten mit der rechtspopulistischen FPÖ und deren Chef Heinz-Christian Strache als Vizekanzler geht.

Diese Ansage wurde mit dem skandalösen Ibiza-Video von dem inzwischen zurückgetreten Strache entwertet, Posterboy Kurz hat damit erste Schrammen bekommen. Er muss nun beweisen, dass sein politisches Talent auch in massiven Krisen außerhalb der Reichweite der Message Control des Kanzleramts wirkt.

Bei der Regierungsbildung im Dezember 2018 hatte Kurz erklärt, dass die Wähler eine Richtungsentscheidung für Veränderungen im Land getroffen hätten, „diese Veränderung wollen wir gemeinsam sicherstellen“, sagte Kurz bei der Präsentation der Regierung.

Die unerwartet kurze gemeinsame Regierungszeit von Kurz und Strache war dann stark von planmäßiger Inszenierung geprägt. Die Regierung zelebrierte Harmonie, Vorhaben wurden gemeinsam und kontrolliert kommuniziert. Konflikte wurden bisher ohne gröbere Verwerfungen überstanden.

Nun war die Message nicht mehr zu kontrollieren. Das Skandalvideo hat Kurz am falschen Fuß erwischt. Samstagnachmittag deutete einiges darauf hin, dass er anders als dereinst Wolfgang Schüssel (ÖVP) zaudert, einen klaren Schnitt zu machen und in Neuwahlen zu gehen und stattdessen mit der FPÖ unter anderer Führung weiterzumachen überlegt.

Für die FPÖ ist die Lage fast tragisch. Der Retter aus dem Jahr 2005 ist nun zum Zerstörer geworden. Das am Freitag aufgetauchte Video entlarvt Strache, der sich seinen Wählern gerne als Saubermann präsentiert, als Angeber und skrupellosen Politiker, der sich die öffentliche Meinungen kaufen, illegale Parteispenden lukrieren und Regierungsaufträge an Freunde und Spender verteilen will.

Das Video zeigt Strache als jemanden, der von einer „scharfen“ (Zitat Strache) Lettin ermuntert mit seinen Kontakten zu Reich und Schön prahlt. „Straches Bedürfnis nach Anerkennung ist Antrieb und Schwäche zugleich - es treibt ihn an, immer mehr zu wollen, führt aber auch zu maßloser Prahlerei. Aufgewachsen als einziges Kind einer alleinerziehenden Wienerin sucht der junge Heinz-Christian vor allem nach männlichen Vorbildern“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Dabei hat die FPÖ ihren Wählern die vergangenen 14 Jahre eine ganz andere Geschichte erzählt: Die korrupten Glücksritter habe man beim BZÖ gelassen, in der „sozialen Heimatpartei“ seien die ehrlichen Patrioten geblieben. Strache wurde als liebender Vater, Familienmensch und Saubermann inszeniert, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Dieses Bild ist nachhaltig zerstört. Die FPÖ wird lange brauchen, um diesen Schaden wieder zu beheben.

~ WEB http://www.fpoe.at ~ APA251 2019-05-18/16:37




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