Letztes Update am So, 19.05.2019 05:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl - Ein Drittel Frauen in EU-Tobjobs



Wien (APA) - Die Europawahlen sind noch nicht geschlagen, schon ist die Debatte über das künftige EU-Führungspersonal entbrannt. Mehr Frauen in EU-Topjobs, beteuerten dabei mehrere EU-Spitzenkandidaten. In EU-Kommission und Europaparlament machen Frauen jeweils ein Drittel aus. Eine Frau als EU-Kommissionschefin gab es noch nie. Der Unterschied im Wahlverhalten der beiden Geschlechtern ist indes gering.

Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen bei der Vergabe von EU-Topjobs, forderte jüngst EU-Ratspräsident Donald Tusk. Geht es nach EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber wird die Hälfte der EU-Kommission künftig weiblich sein. Ähnlich äußerte sich auch sein sozialdemokratischer Kontrahent Frans Timmermans. Bas Eickhout, Grüner Co-Spitzenkandidat, will gleich „alle interessanten Posten“ an Frauen vergeben. Die Liberale Margrethe Vestager wirbt für die erste EU-Kommissionspräsidentin.

Seit dem fünfzigjährigem Bestehen der EU-Kommission, war noch nie eine Frau an der Spitze. Auch das seit 2009 existierende Amt des EU-Ratspräsidenten bekleidete stets ein Mann. Die EU-Außenbeziehungen waren in dieser Zeit hingegen in den Händen von Frauen. Derzeit übt Federica Mogherini dieses Amt aus und ist damit die einzige Frau im Führungstrio bestehend aus EU-Kommissionschef, EU-Ratspräsident und EU-Außenbeauftragter. Von den insgesamt 28 Mitgliedern der aktuellen EU-Kommission sind neun weiblich, die Posten der fünf Vizepräsidenten werden von Männern besetzt.

Ähnlich verhält es sich im EU-Parlament: zwei Parlamentspräsidentinnen von insgesamt 16 seit den ersten Direktwahlen 1979, in den Vorgänger-Versammlungen seit 1952 keine. Im aktuellen EU-Parlament halten 36,4 Prozent der Sitze Frauen, vor 40 Jahren waren es 15,2 Prozent. Davon sind die meisten Mandatarinnen in der sozialdemokratischen Fraktion zu finden, der die SPÖ angehört, die wenigsten in der Fraktion Europa der Nationen und der Freiheit (ENF) mit der FPÖ.

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Die Prozentsatz in den EU-Staaten variiert ebenfalls stark: Parteien aus Finnland, Irland und Kroatien sind die einzigen, die mehr weibliche als männliche EU-Mandatare nach Brüssel schickten. Aus Schweden und Malta beträgt der Wert 50/50. Einen hohen Frauenanteil gibt es auch aus Spanien und Frankreich, während er besonders niedrig in Ungarn und Bulgarien ist. Österreich rangiert mit knapp 40 Prozent Frauenanteil im oberen EU-Durchschnitt.

Zwar liegt der konkrete Frauenanteil der rund 400 Millionen europaweiten Wahlberechtigten nicht vor, in mehreren EU-Ländern ist allerdings eine Frauen-Mehrheit evident. In Österreich dürfen von insgesamt 6,4 Mio. Wahlberechtigten 3,3 Mio. Frauen und 3,1 Mio. Männer am Wochenende zu Urne schreiten. In Deutschland ist das Verhältnis der Geschlechter ähnlich. Zu den Wahlen gehen jedoch mehr Männer als Frauen. Bei vergangenen Europawahlen betrug der Unterschied vier Prozentpunkte.

Frauen wählen anders als Männer - außer sie sind verheiratet. Auch haben Frauen eine leichte Tendenz Parteien links der Mitte zu wählen, während Männer eher dem rechten Parteienspektrum ihre Stimme geben, erklärt der Wiener Politikwissenschafter Laurenz Ennser-Jedenastik in einem APA-Interview, ein Wahlverhalten, das „quer durch Europa“ und die USA zu finden sei.

Die paar Prozentpunkte Unterschied bei den heutigen Urnengängen würden auf das Wahlverhalten unverheirateter Frauen zurückgehen. Ennser-Jedenastik verwies dabei auf eine Studie aus den USA, bei der Frauen nach der Hochzeit „sich ein Stück weit konservativer verhalten“, wenn sie sich scheiden lassen, liberaler werden. Gründe für das Wahlverhalten seien bisher wenig erforscht, so Ennser-Jedenastik, aber plausible Thesen besagen, es liege unter anderem an der unterschiedlichen ökonomischen Situation von Männern und Frauen.

In der ersten Republik sah das Wahlverhalten auf jeden Fall anders aus: Frauen hätten konservativer, wie die Christlichsoziale Partei, gewählt, erklärte Ennser-Jedenastik. Männer seien hingegen mehr im extremen Lager, sei es links oder rechts, zu finden gewesen. Ein Wandel von moderat/extrem zu links/rechts - ein kleiner Unterschied bleibt.




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