Letztes Update am So, 19.05.2019 19:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neuwahl - Deutsche Pressestimmen zur Regierungskrise



Stuttgart/Au in der Hallertau (APA/dpa) - Deutsche Medien beschäftigen sich auch in ihren Montagausgaben mit der Regierungskrise samt Ausrufung von Neuwahlen in Österreich:

„Stuttgarter Zeitung“ (Stuttgart):

„Der FPÖ-Chef offenbart ein Denk- und Handlungsmuster, wie es typisch für viele Rechtspopulisten ist in Europa und darüber hinaus. Sie geben sich als Patrioten - aber sie haben keine Skrupel, ausländisches Geld für ihre Partei anzunehmen und ihr Land an dubiose Ausländer zu verhökern, wenn es dem persönlichen Machtinteresse dient. Sie versprechen, wieder Recht und Ordnung herzustellen - aber sie selbst fallen auffällig oft durch juristische Grenzüberschreitungen auf. Sie beklagen die Staatshörigkeit und Einseitigkeit etablierter Medien - und arbeiten doch selbst daran, diese Medien unter ihre Kontrolle zu bringen und missliebige Journalisten auszuschalten.“

„Münchner Merkur“ (München):

„Der Video-Skandal um den von sich und von Wodka besoffenen Vizekanzler taugt nicht zur Verklärung des Guten über die radikal Rechten, sondern leuchtet nur in unterschiedliche tiefe Abgründe. Im Zentrum steht die Demaskierung des Heinz-Christian Strache und seiner FPÖ. Er wollte fundamentale Prinzipien der Demokratie aushebeln. Er, der vermeintlich für Vaterland und Anstand stritt, prahlte damit, die wichtigsten Werte seiner Heimat an eine russische Oligarchen-Nichte zu verschachern. Über viele, viele Jahre darf in dieser FPÖ niemand mehr von Patriotismus salbadern, ohne an Straches Vaterlandsverrat zu denken. Nur: Häme wäre kurzsichtig. Denn politisch reicht der Flurschaden weit über die FPÖ und ihre ähnlich russlandblinden Freunderl in ganz Europa hinaus.“

„Mitteldeutsche Zeitung“ (Halle):

„Es gibt ein ebenso schlichtes wie verlässliches Gegenmittel gegen Peinlichkeiten aller Art. Es hätte Strache auch die Erpressbarkeit durch jene erspart, die seit 2017 über das Videomaterial verfügten. Dieses Gegenmittel heißt Integrität. Es ist eigentlich ganz einfach: Wer die Rechtsordnung, die uns alle umgibt, auch für sich selbst gelten lässt, kommt niemals in Verlegenheit. Der Fall Strache muss jetzt nicht nur die Österreicher, er muss alle Europäer aufrütteln. Allerorten treten Rechtspopulisten breitbeinig auf die Bühne und reden von Law and Order. Wenn es aber um eigene Angelegenheiten geht oder die ihrer Partei, wollen sie rechts sein jenseits des Rechts.“

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„Neue Westfälische“ (Bielefeld):

„Bislang gibt es keinen direkten Zusammenhang zur politischen Lage in Deutschland, obwohl erst kürzlich FPÖ und AfD sich im Zusammenhang mit der Europawahl Seite an Seite präsentierten. Ähnlichkeiten zur Parteispendenaffäre der deutschen Rechten sind indes unabweisbar. AfD, FPÖ - es ist erschütternd, wie verkommen die politische Rechte geworden ist! Eine Woche vor der Europawahl eröffnet die Verbreitung des Strache-Videos eine große Chance, die Debatte um Seriosität und Richtung der Politik neu zu eröffnen. In Demut! Es ist nicht das erste Mal, dass journalistische Recherche dies möglich macht. Das gab es auch in der Bundesrepublik schon. Diese Qualität des Journalismus gilt noch immer - das ist die gute Nachricht am Desaster der politischen Kultur in Österreich.“

~ WEB http://www.fpoe.at ~ APA326 2019-05-19/19:15




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