Letztes Update am Do, 23.05.2019 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Auf dem Walserberg bei Salzburg steht wieder ein Stausommer bevor



Salzburg/Berlin/Berchtesgaden (APA) - Auch im Sommer 2019 muss man sich auf kilometerlange Staus am Grenzübergang Walserberg zwischen Salzburg und Bayern einstellen: Die von Deutschland zugesagte dritte Abfertigungsspur wird nicht mehr rechtzeitig fertig. Das Land Salzburg will nun den Verkehr über Berchtesgaden in Bayern umleiten, um die Gemeinden auf Salzburger Seite vor dem Schleichverkehr zu schützen.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer und sein politischer Ziehsohn Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (beide ÖVP) waren im Februar medienwirksam zu einem Treffen mit Deutschlands Innenminister Horst Seehofer nach Berlin gereist, um anschließend von einem „großen Durchbruch“ zu berichten: Deutschland habe die dritte Spur zugesagt, „die Stausituation wird ehestmöglich entschärft“, berichteten die beiden danach.

Seehofer kündigte dann auch an, alles in Bewegung setzen zu wollen, „damit wir die Lösung bis zur Hauptreisezeit in diesem Jahr haben“. Schon vor dem Berlin-Trip hatte Schnöll eine Einigung mit Bayerns Innenminister Joachim Hermann und einen politischen Schulterschluss mit den Bürgermeistern der Anrainergemeinden beiderseits der Grenze verkündet.

Seit Dienstag dieser Woche ist wieder alles anders: Schnöll ließ wissen, dass eine Lösung vor dem Sommer nicht mehr realistisch sei. Der Grund: Deutschland muss die Asphaltierungsarbeiten für die zusätzliche Spur EU-weit mit einem langen Vergabeverfahren ausschreiben. „Das ist uns viel zu spät. Ich bin verärgert über das lange Zuwarten“, so Schnöll, der selbst aus der vom Schleichverkehr massiv betroffenen Gemeinde Wals-Siezenheim stammt.

Gleichzeitig zog der Landesrat einen „mit allen Beteiligten abgestimmten Maßnahmenplan“ aus dem Hut, der aber den „Schulterschluss“ mit einigen bayerischen Grenzgemeinden beenden dürfte. Dieser sieht nämlich eine „Hauptausweichroute“ vor, bei der die Autos schon beim Knoten Salzburg-Süd von der Tauernautobahn abgeleitet und auf bayerischer Seite rund um den Untersberg gelotst werden. Parallel dazu werden die Verordnungen gegen Stau-Umfahrer durch die Salzburger Gemeinden Grödig und Wals verschärft. Außerdem sollen im Bedarfsfall sogar Autobahnabfahrten gesperrt werden. Diese wären dann nur mehr für den Ziel- und Quellverkehr offen.

Dass diese Ankündigung in den betroffenen bayerischen Gemeinden alles andere als Jubel ausgelöst hat, zeigte die Reaktion von Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, der von einer medienwirksamen Trotzreaktion sprach. „Für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist das ein herber Rückschlag.“

Als Folge der großen Flüchtlingsbewegung im Herbst 2015 führte Deutschland am Autobahngrenzübergang Walserberg wieder Kontrollen ein. Dies führt gerade in der Hauptreisezeit zu umfangreichen Staus mit teils stundenlangen Wartezeiten.




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